Aus der Sicht des DMs:
Vor dir liegt ein alter Foliant, gebunden aus Erinnerung und Schwur. Das
Tome of the Vastlands! Seine Seiten tragen die
Namen der Völker, die Zeichen der Götter und die Pfade der Länder, wie sie waren, wie sie
sind
und wie sie vielleicht sein werden. Kein Wort ruht hier ohne Gewicht, kein Name ohne
Nachhall.
Dies ist ein heiliger Hort des Wissens, bewahrt von jenen, die hören konnten, wo andere
schwiegen. Doch auch dieses Werk ist unvollständig, denn Wahrheit offenbart sich nur dem,
der
sucht. So bist auch du gerufen, zu lesen, zu deuten und zu schreiben – nicht als Herr über
die
Geschichte, sondern als ihr Diener.
Tritt ein mit Ehrfurcht. Verweile mit Bedacht.
Aus der Sicht von Zetsu:
Dies ein Wiki zu meiner Fantasy-Welt der Vastlands,
welche auch als Schauplatz verschiedener D&D-Kampagnen und -Oneshots dient. Wie auf meiner
persönlichen
Website ausführlichst beschrieben, genieße ich es, mir Welten und Charaktere
auszudenken. D&D und dieses Wiki sind dabei eine Möglichkeit, dieser Kreativität eine
Leinwand
zu geben.
Die Vastlands sind als ein Universum zu
betrachten,
orientiert am Konzept der Elementarebenen von D&D. In diesem Universum existieren also
verschiedene Elementarebenen, die jeweils ihre eigenen Regeln und Besonderheiten haben.
Besonderer Fokus liegt hierbei auf der Elementarebene Terralithia,
die ähnlich zu unserer realen Erde ist. Neben dieser gibt es auch noch viele weitere Ebenen,
alle mit eigenen Regionen, Orten und Charakteren.
Alle die in diesem Wiki aufgelisteten Charaktere und Orte entstammen aus meiner Feder
(manchmal
mehr oder weniger "inspiriert"). Dennoch gibt es unter den Charakteren solche mit einem
roten
Hintergrund. Diese sind Charaktere meiner D&D-Spieler. Da diese Charaktere eine wichtige
Rolle
in meinen Welten einnehmen, sind sie ebenfalls hier aufgeführt. Zumal ich dem
Schaffenswillen
meiner Spieler auch den nötigen Respekt zollen möchte.
Bilder der Charaktere sind entweder aus einer sehr frühen Phase der Vastlands und leider KI-generiert. Ich bin
kein
Freund von generativer KI und ihrer Verwendung in der heutigen Zeit. So gut es mir möglich
ist,
tausche ich solche Bilder durch solche, die von echten Künstlern stammen. Dabei bediene ich
mich
größtenteils von Pinterest lol. Immerhin ist das Stehlen von Werken bei mir noch Handarbeit.
Daher hier der Disclaimer: Keine der Illustrationen der Charaktere gehören rechtlich mir.
Eine Künstlerin, die ich besonders hervorheben möchte ist eine meiner Spielerinnen
Bayda. Unter anderem Charaktere wie Malusdur, Scarlet oder Kaen wurden
fabelhaft
von ihr nach unser beider Vision illustriert. Ein großes Danke geht raus <3
Ansonsten gilt: Original
Character, Do Not Steal
Vom Hafen Frelia aus suchte sich die Heldengruppe ein Schiff, dass sie rüber auf die Insel bringen könnte. Sie wurde fündig auf einem Schiff, dass auf dem Weg nach Uastrun war und Nayru meinte sogar, sich an die Dame zu erinnern, die sich ihnen als Kapitänin vorstellte. Nachdem die Dame die Gruppe begutachtet und auf ihre Arbeitstauglichkeit geprüft hatte, stimmte sie zu, die vier für den kleinen Obolus von 4 Platin und 75 Gold die 10 Meilen mitzunehmen zur Insel mitzunehmen, die auf direkter Strecke nach Uastrun lag. Während Escaar half, die Frachten unter Deck zu stapeln und U-Ranos das Deck schrubbte, gammelten Oscar und Nayru vor sich hin und sahen den Wellen beim Brechen zu. Doch nicht lange nach Ablegen sahen sie dabei merkwürdige Wassermassen, die sich in der Ferne formten und auf das Schiff zukamen. Nayrus Erinnerungen wurden wieder einmal wachgerüttelt und zusammen mit Oscar warnte sie die Kapitänin vor den angreifenden Wasserelementen. Die bewährte Taktik, sie einzufrieren und dann zu sprengen, erwies sich als hilfreich und so war die See wenig später ohne Verluste wieder still. Als Dank erließ die Kapitänin der Gruppe immerhin den Reisepreis, verzog dann aber grimmig das Gesicht, als sie sah, wie Escaar von Deck auf das Wasser sprang, um die letzten Meter zu Fuß über die Wasseroberfläche zurückzulegen. Dass Oscar und U-Ranos sich mit Nayru auf den Schultern hinter ihr in die Lüfte erhoben, ließ sie mit einer Mischung aus Neid und Gekränktheit zurück.
Auf der Insel angekommen, erwartete die Heldengruppe ein dichter Urwald mit rätselhaften Steintafeln. Ähnlich wie auf der Insel der Druiden erwies sich Escaars Gespür als wegweisend und sie leitete die Gruppe von Steinformation zu Steinformation, vorbei an Gestrüppen, magischen Dornen, Worgs und Quasits. Kaum hatten sie sich durch den oberirdischen Urwald geschlagen, gelangten sie an ein Tor, das sie in die Tiefen führte. Die unterirdische Heimat der Dryaden und Feenwesen war nicht weniger verwachsen, aber glücklicherweise musste nichts niedergebrannt werden, um das Fortbewegen zu sichern. Als sie an einem See von einem Feenwesen mit rätselhaften Worten in Empfang genommen wurden, strengte Escaar ihre letzten drei verbliebenen Hirnzellen an und wies U-Ranos den Weg zu den Seeblumen, die den Schlüssel zum Fortschritt ins sich tragen sollten. Mit vereinter Geisteskraft konnte die Gruppe so dem Wasserspiegel entkommen, der ihr Angesicht für immer in sich einzusperren drohte, und sich auf den Weg zu Invidianoir machen. Als sie die kalte, kompromisslose und zerstörerische Frau vor sich stehen sahen, lief ihnen ein Schauer über den Rücken. Vor ihnen lag einer der härtesten Kämpfe, die sie je bestritten hatten. Invidianoir könnte sie pulverisieren und hatte schon Götter auf dem Gewissen. Was auch immer unsere Helden in den letzten Tagen und Wochen erreicht hatten, würde es ausreichen, um sich dieser Herausforderung zu stellen?
Nach dem Frühstück besprach sich die Gruppe, wie sie es am besten mit Invidianoir auseinandersetzen könnte. Während Oscar und U-Ranos Zaubersprüche lernten oder Todesrunen vorbereiteten, gaben sich Escaar und Nayru dem physischen Training hin. Doch die anfänglichen Übungen wurden schnell zu einem überraschend harten Trainingskampf um Leben und Tod (metaphorisch gesprochen).
Mit frisch geschlossenen Wunden, aber nicht mehr ganz taufrisch, machten sie sich auf den Weg nach Frelia, um sich auf den bevorstehenden Kampf vorzubereiten. Dabei fanden sie heraus, dass die Stadt in ihren unteren Ebenen weitaus weniger glamourös war, als angenommen. Neben Tierköpfen, die von Leinen von den Dächern hingen, und einer ausgebreiteten Glücksspielszene fand sich auch ein Laden für Zauberstabbegeisterte. Während Escaar und Nayru an der Würfelbude Triple Deluxe ihr Bestes taten, ihr Geld zu steigern, warf Oscar einen Blick auf das angepriesene Zauberstabmodel Promex und bekniete Nayru schließlich, ob sie ein paar Platonen aus der Reisekasse dafür lockermachen könnte. Das blieb jedoch nicht die einzige Investition an diesem Tag. Zwar fand sich in der gesamten Stadt keine einzige Person, die normale Pfeile verkaufte, aber ein alter Mann pries seine zielsuchenden Pfeile an, nur 2 Platin pro Stück. Widerwillig schob Nayru dem Pfeilemacher das Geld entgegen, hoffend, eine gute Investition in die Zukunft Faergrias geleistet zu haben. Das war allerdings erst der Anfang. Weitere Unmengen an Platin mussten für Tränke hingegeben werden, so viele sogar, dass Iddra für uns Siegmunds Anlagen anzapfen musste. So gut versorgt wie noch nie machte sich die Gruppe auf den Weg zum Hafen, ein Schiff zu suchen.
Farone umrundend bespricht unsere Heldengruppe die anstehende Party, die sie im Jagdschloss veranstalten wollen. Farone begibt sich davor auf den Weg zu Justicia und Fortuna, um die Lage mit ihnen zu besprechen. Prinzessin Marisa nimmt derweil die Gruppe mit zurück ins Jagdschloss, doch als sie vorne an den Toren ankommen, ruft ihnen Johann bereits entgegen, dass das Jagdschloss angegriffen wurde. Die Gruppe kämpft Johann und Feldir frei, die vor den Toren des Schlosses ihr Bestes geben, und eilt auf die Tür des Schlosses zu. Auch Marisa hilft tatkräftig mit ihren Heilungen und Unterstützungszaubern und hält die noch leicht angeschlagene Truppe am Leben, bis sie die Türen zum Schloss öffnen können.
Dort erwarten sie schon Edgar und Karl, die den Eingangsaal verteidigen, sich jedoch schnell zurück in die Gebetskammer verziehen. Unsere Helden kämpfen die Bibliothek frei und vereinen sich mit Meiliera und Scarlet, außerdem säubern sie Nayrus Zimmer, die Küche und den Westtrakt von den einfallenden Jägern und Magiern. Traurig und sorgenvoll sehen sie, wie das Schloss zertrümmert und ihre Liebsten von den Gangstern malträtiert worden sind. Sie vermöbeln die Jäger im Gewächshaus mit Terralions Hilfe und metzeln sich an einem gigantischen Ritter vorbei in den Speisesaal. Dort duelliert sich Eliza gerade mit Grenze und fleht die Truppe an, sich zu entfernen, doch das lässt sich niemand sagen. Mit letzter Kraft und der final verbleibenden magischen Energie werfen sie sich Grenze und ihren Skeletten entgegen. Nachdem U-Ranos Eliza vor sich sterben sieht, reißt er er die Streitkugel der göttlichen Vergeltung in die Höhe und versetzt Grenze den Schlag, der sie aus dem Leben reißt.
Nachdem Grenze zu Boden gegangen ist, U-Ranos ihr wieder aufgeholfen hat und sich dann Eliza angenommen hat, stürmen auch die anderen wieder in den Saal. Narcian hat diesmal eine Grenze übertreten, dessen sind sich alle sicher. Daher treffen sie schweren Herzens den Entschluss, ihre Liebsten aufzuteilen, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Während sich eine Gruppe, geführt von Scarlet, zu Hamas Kloster begibt, macht sich die andere unter Rosalindes Obhut auf den Weg zu ihrer Kathedrale in Grenbrock. Die Heldengruppe bespricht sich mit Karl, räumt alle Betten aus dem Dienstbotenzimmer in den verwüsteten Speisesaal und schläft unter dem riesigen Loch in der Decke in geschlossenem Kreis ein - teilweise gebrochen, aber umso mehr entschlossen, Naycrian bald ein für alle mal in den Boden zu stampfen.
Die Heldengruppe lässt den Tag und die vergangenen Strapazen beim guten Essen von Escaars Mutter hinter sich. Dabei fällt Escaar auf, dass der Mond schon besonders hell und rund erscheint, und macht ihre Freunde darauf aufmerksam, dass sie sich bald auf zur Mondinsel machen sollten. Doch zuvor müssen sie alle noch eine Nacht rasten. Während die anderen in Teryvnat übernachten, macht sich Nayru auf den Weg gen Osten, um Hindrik bei der Sägemühle zu besuchen.
In der Nacht denkt Escaar aufgeregt über den nächsten Tag nach und sobald sie in ihre Trance fällt, befindet sie sich auch schon an einem ganz anderen Ort wieder. Sie befindet sich in einem Waldstück, das sie noch nie gesehen hat, und vor ihr reckt ein Dachs ihr das kleine Köpfchen entgegen. Sie folgt ihm und er führt sie zu einem Elch, der zwischen Häuserruinen graste. Escaar schaut das majestätische Tier mit großen Augen an und es wendet sich mit einer Stimme zu ihr, die nichts anderes als der Atem der Natur sein konnte. Escaar weiß, dass der Moment gekommen ist, und sie senkt ehrehrbietend den Kopf und nimmt den Geist der Natur in sich auf. Gleich danach erwacht sie, schaut auf ihre Hände und sieht, dass sie pflanzenüberwachsen sind.
Zur selben Zeit wälzt sich U-Ranos in seinem Bett hin und her. Auch er wird in das Reich der Träume entführt und findet sich im nächsten Moment in den Hallen des Seelengottes wieder. Dort sieht er zwei Gestalten vor sich, eine sitzt auf dem Thron und ähnelt der Gestalt Alcuins, die andere kniet vor dem Thron und das lange, wallende Haar fällt ihr über die Schultern. U-Ranos erschaudert undlauscht dem Gespräch der beiden über Ziele und Machtübertragung. Bevor U-Ranos das Gespräch weiterverfolgen kann, werden die beiden von einer lauten, kalten Stimme unterbrochen: Die Göttin der Gerechtigkeit betritt die Hallen am Fußende und scheint ebenfalls ihren Augen kaum trauen zu können. Noch während sie den Gang entlangtritt, auf die beiden anderen zu, verblasst der Traum und U-Ranos erwacht wieder in der elfischen Herberge.
Unterdessen wird Oscar aus dem Schlaf geklopft. Er richtet sich um 90° im Bett auf, öffnet jede Tür mit seiner Mage Hand und sieht sich im Haus nach der Quelle des Klopfens um. Als er an die Haustür kommt und diese öffnet, steht ein grausiger dunkler Geist vor ihm, der sich langsam auf ihn zubewegt, doch das ist es nicht, was Oscar in Grauen versetzt. Denn hinter dem Geisterwesen kommt die Gestalt Viktors zum Vorschein, der Barde, der Nayru schon seit längerer Zeit nachgestellt hatte. Er erklärt, dass er gerne mit Oscar über Nayru reden würde, da sie seine Avancen in letzter Zeit immer abgeblockt hatte. Oscar versucht ihm zu erklären, dass Nayrus Liebe auf einen anderen gefallen ist und er sich keine Hoffnungen machen sollte, doch davon will er nichts wissen. Während er Oscar vorschwärmt, wie er sich weiter in seine Lieder reinhängen möchte, bereitet Oscar sich darauf vor, ihn mit einem Zauber größtmöglichen Grauens von seinem Haus zu verscheuchen. Doch irgendwie scheint Viktor von jemandem geistigen Beistand zu bekommen, sodass er sich davon nicht beeinflussen lässt. Vom Zorn über den fehlgeschlagenen Zauber ergriffen, will Oscar mit Fäusten auf ihn zugehen, aber auch das schlägt fehl und er landet in den Armen des Barden, der ihn verlegen anschaut. Als Viktor sich letztlich final auf den Weg machen möchte, reißt Oscars Geduldsfaden und er schickt dem Barden einen Feuerstrahl entgegen. Noch während der Barde verwirrt seinen Mantel ausklopft, eilt Elkhazel auf die beiden zu und Oscar schafft es gerade so noch, aus der Situation zu entkommen. Danach schlüpft er, leicht angesäuert, zu U-Ranos ins Bett, um den verbleibenden Schlaf aufzuholen.
Am nächsten Morgen treffen die drei wieder aufeinander und berichten, mehr oder weniger kryptisch und nicht immer ganz vollständig, von den Ereignissen der letzten Nacht. Schließlich kommt auch Nayru beschwingten Schrittes dazu. Das Pfeile schnitzen und anschließende Kuscheln mit Hindrik hat ihre Laune nach dem gestrigen Tod maßgeblich gehoben. Endlich vollständig, macht sich die Heldengruppe auf den Weg zur Mondblickinsel. Dort angekommen, treffen sie auch schon auf zwei Druidenanwärter, die an einem Rätsel scheitern. Sie warten auf die Nacht und Escaar löst letztlich das Rätsel das Altars, um die Prüfung zu starten. Die Heldengruppe gerät schließlich in ein verwunschenes Waldstück und zusammen mit den Weisungen einer Krähe schaffen sie es, auch dieses Rätsel zu lösen und den hütenden Troll niederzustrecken. Letztlich teilt sich das Meer vor ihnen und die vier betreten die Mondblickinsel. Escaar tritt in die Reihen der anderen Druiden, bereit, ihr altes Leben abzulegen und sich der Welt des Instinkts hinzugeben. Sie tritt in die Quelle und wird eins mit dem Geist der Honigdachse.
Mit glücklich beschwingten Schritten tritt sie zurück zur Gruppe und die vier beraten sich, was sie als nächstes tun werden. Gerade, als Oscar seinen Teleportzauber anwenden möchte, spürt U-Ranos das Zerreißen von Farones Schutzrune, sodass sie ihre Pläne abrupt ändern. Sie machen sich sofort auf den Weg in die
Die Heldengruppe ruht sich mehrere Tage lang im Jagdschloss bei ihren Lieben aus, bis alle Wunden verschlossen sind. Doch am vierten Tag wacht Escaar voller Tatendrang auf: Sie muss zu ihrer Mutter, die krank in ihrem Heimatdorf liegt! Vor einer Woche waren sie durch den perversen Wüstenelf unterbrochen worden, danach sind sie mehrere Jahrhunderte durch die Zeit gereist, doch was hat sich in der Zeit in Teryvnat ereignet? Escaar weckt den Rest der Heldengruppe und zusammen bereiten sie sich auf die Reise vor. Escaar und Nayru machen sich auf den Weg nach Dünsberg, um Pfeile und Ebbelwoi zu kaufen, dabei erfahren sie, dass der ansässige Schmied gestorben ist und die Schmiede seitdem leersteht. Escaar und Nayru bieten an, sich auf ihren Reisen nach einem Schmied für das Dorf umzusehen.
Wieder im Jagdschloss angekommen, besucht die Heldengruppe Philip und erhält von ihm einen der neuen, verbesserten Telekommunikationssteine für den Weg. Danach machen sie sich auf den Weg in die Hauptstadt, wo sich Nayru endlich den Wunsch nach weiteren Pfeilen erfüllt, indem sie sich einen Maxiköcher kauft. U-Ranos hat leider keinen Erfolg, er trifft Lamia nicht an, die das Kleid für Eliza fertigstellen wollte. Auch Tannivh ist nicht mehr im Palast auffindbar, der als einziger das Wissen über Aeluas Krankheit hat. Deshalb macht sich die Heldengruppe sofort auf den Weg zu Escaars altem Heimatdorf, um keine weitere Zeit zu verlieren. Escaar fürchtet die Konfrontation, aber sie weiß, dass sie nicht länger davonlaufen kann. Wenn sie jetzt nicht handelt, wird sie sich vielleicht nie wieder bei ihrer Mutter entschuldigen können.
Tanniv holt gerade frisches Wasser, als die Heldengruppe eintrifft. Sofort führt er sie nach drinnen und erklärt, wie sehr sich Aeluas Zustand verschlechtert hat. Escaar gibt sich einen letzten Ruck und eilt ihm hinterher, in der Hand schon den allmächtigen Trank Hamas. Doch als neben jeglicher Medizin auch Hamas Kraft keine Wirkung zeigt, auch nicht, als U-Ranos die Hohefürstin höchstpersönlich an seine Seite ruft, ist der Gruppe eines klar: Aelua ist von einer Seelenkrankheit betroffen, ähnlich wie sie es bei Cinnabar gesehen hatten. Hin- und hergerissen zwischen Verzweiflung und Trauer öffnet Escaar ihre Seele. Tränen strömen über ihr Gesicht, als sie sich entschuldigt, bereut und reflektiert, was all die Jahre schiefgelaufen ist. Sie ergreift die Hände ihrer immer schwächer werdenden Mutter und langsam, ähnlich wie bei Cinnabar, entfleucht dem schwachen Körper der Dame ein dunkler, schwerer Geist in Gestalt Aeluas.
Der Kampf beginnt, der Kampf gegen den Schatten und Peiniger schwacher Seelen. Doch diesmal geht die Sache nicht so glimpflich aus wie noch bei Cinnabar. Nach und nach ergreift der Schatten von Escaar, dann von Nayru Besitz, stets im Begriff, sich an Aeluas bewusstlosem Körper zu laben und die Seelen der Kameraden zu zerreißen. Was er letztlich auch schafft. Nachdem die besessene Nayru durch die Angriffe ihrer Kameraden zu Boden geht und der Geist zum Verlassen ihres Körpers gezwungen wird, nutzt er seine Chance: Er senkt sich über ihren leblosen Körper und beginnt, ihre Seelenkraft von ihr abzusaugen. 12 HP, für nicht mehr als 12 HP setzt er Nayrus Leben endgültig ein Ende und ihre Seele schwebt auf U-Ranos zu. Mit zitternden Händen nimmt er sie entgegen, fassungslos, dass es nun tatsächlich so weit gekommen ist und seine Kameradin und Freundin vor seinen Augen gestorben ist.
Von Wut und Hass geleitet richtet sich die verbleibende Heldengruppe dem Geist entgegen. Das Feuer brennt in ihren Augen und der Zorn entlädt sich in ihrem Waffenschlägen. U-Ranos zückt Ar-Merers gleißenden Speer, die mächtigste Waffe, die er jemals in seinem Leben in den Händen gehalten hatte. Obwohl er der Waffe nicht gewachsen ist, kämpft er sich durch den blendenden Schmerz, die sie ihm zufügt, und lässt sie auf den Schatten niederfahren. Mit vereinten Kräften ringt die Gruppe den Geist nieder und Escaar zerschneidet seine Seele, auf dass er auf ewig von dieser Welt getilgt sei. U-Ranos eilt zu Nayru, balanciert ihre Seele zwischen den zitternden Fingern und lässt sie langsam zurück in den Körper seiner Freundin gleiten. Nayru erwacht zwar, doch das Gefühl des Todes und das der Seele, die den Körper verlassen und in ihn zurückgekehrt ist, bewegen sie tief. Zum ersten Mal erfährt sie am eigenen Leib, was es mit dieser Welt der Seelen auf sich hat, der U-Ranos einen so großen Teil seines Lebens verschrieben hat. Und sie bewundert und betrauert, welche Macht, Verantwortung und welches Leid U-Ranos über so lange Zeit allein geschultert hatte.
Escaar kümmert sich derweil um ihre Mutter, die, befreit vom Geist, wieder an Lebenskraft gewonnen hat und betrauert, was alles um ihretwillen in ihrem Haus geschehen ist. Sie freut sich auf all die Zeit, die Escaar und sie gewonnen haben und die sie jetzt nutzen wollen, um all das nachzuholen, was sie in den letzten Jahrhunderten verpasst haben. Die Heldengruppe sammelt sich und macht sich auf den Weg, die Erlebnisse bei Speis und Trank in der örtlichen Taverne zu verarbeiten.
01.02.26
Die Party bespricht sich mit den vieren in Craindres Haus und erfährt alles über die Zeit, die sich verändert hat. Angeblich sind sie alle damals im Kampf gegen Invidianoir gefallen, ihre Überreste wurden zusammen mit denen von Amlin bestattet. Da Amlin die einzige ist, die sie wieder durch die Zeit zurückholen kann, versuchen sie, mit ihr über den Zeitstein Kontakt aufzunehmen. Sie berichtet ihnen, dass sie in Sicherheit in ihrem Reich ist, allerdings in der ursprünglichen Zeit. Sie erklärt, dass sie den Stein stärken müssen, um mit ihm wieder in die Vergangenheit reisen zu können. Dazu würde die Kristallader im Reiche Meis und Rais ausreichen, doch die liegt einen halben Kontinent weit entfernt. Der Verlust der Geliebten, die innerhalb der letzten 700 Jahre gestorben sind, trifft alle hart. Ob sie durch die Hand Narcians und Alcuins gestorben sind oder am Alter, macht dabei nur bedingt einen Unterschied. Zumindest Eliza und Scarlet sind laut Aussagen Cinnabars noch nicht tot, sondern haben sich auf den Weg gemacht, sich gegen Narcian zu stellen. Doch nicht nur das: Narcian ist mittlerweile der einzige, dem es sich entgegenzustellen gibt; nach dem Fall der Helden und der folgenden Machtübernahme hat Narcian Alcuin hintergangen und ihn ebenfalls ermordet. Der Animus verbleit nun vereinsamt, was U-Ranos auf die Idee bringt, die Zeit zu nutzen, um in Alcuins und Farones Reich nach den Möglichkeiten zu suchen, Personen wiederzubeleben.
Nach allem ist die Entschlossenheit groß: Die Party muss in ihre Zeit zurückkehren, um diese schreckliche Zukunft abzuwenden. Also macht sie sich sofort auf den Weg in den Animus und betritt Farones Reich. Dort finden sie einen Geheimgang, der sie unter den Garten führt, in dem ein Baummensch auf sie wartet. Er stellt ihnen ein Rätsel, das nur wahre Gesandte Farones lösen können. Im zweiten Anlauf nennt die Party das richtige Lösungswort, Wald, und bekommt als Lohn den Zauber zur Wiederherstellung von Körpern. Doch sie sind skeptisch, wann und wo sie diesen mächtigen, seelenzehrenden Zauber verwenden sollten. Doch zunächst müssen sie sich beeilen, um nicht noch mehr Zeit zu verschwenden. Und so holen sie zuerst die Gebeine Inorus und U-Ranos kümmert sich auch um Ar-Merers 700 Jahre alten Leichnam. Mithilfe des Knochens gelangen sie in das Reich Alcuins, um nach dem Seelenofen zu suchen. In seinem Thronsaal finden sie ein äschernes Ebenbild Alcuins und entscheiden sich, etwas von der Asche in der Spendenbox aufzubewahren. (Dabei entscheiden sie sich, Oscars künftigen Sexdungeon im Jagdschloss Schmerztiegel zu nennen). Sie finden weiter oben im Aschetempel einen Raum mit einem Sarg und einem Amboss und das Einsetzen ihrer Waffen öffnet sich der Sarg und lässt einen Hammer in seinem Inneren erscheinen. Mit diesem Seelenhammer und dem Leibeszauber der Farone sollte es der Party jetzt möglich sein, Lebewesen zurück ins Leben zu holen. Oscar prägt sich den Zauber ein und setzt seine gesamte Kraft ein, um vor sich den Körper Memoriaeszu erschaffen. Doch als der leblose Körper vor ihm liegt, bricht er vor Erschöpfung in sich zusammen. Als nächstes ist U-Ranos an der Reihe, mithilfe des Hammers die Seele wieder in ihren Körper zu bringen. Auch er muss alle Kräfte nutzen, die ihm zur Verfügung stehen, sogar weitere Seelen muss er aufwenden, um dem Hammer den nötigen Schwung zu geben. Kurz, als ihn die Kräfte verlassen wollen, eilen ihm Escaar und Nayru zur Hilfe und mit vereinten Kräften pressen sie die Seele zurück in Memoriaes Körper. Danach sinkt auch er in sich zusammen, während Escaar und Nayru sich um Memoriae kümmern. Danach reisen sie sofort zu Mei zum Blitzaltar, um so schnell es geht den Stein zu verbessern. Mei wartet bereits beim Blitztempel und öffnet die Tore für die Party. Mit vereinten Kräften suchen sie nach der Erzader und finden sie tatsächlich, doch das Vorhaben fordert seinen Tribut. Der Stein der wandelnden Weltlinien erfordert ebenfalls die Kraft des letzten Fernsprechsteins im Besitz der Party. Und es kommt noch schlimmer: Lebende Rüstungen und ein Eisengolem erwachen im Tempel als Narcians Falle zu neuem Leben und bedrängen das Leben der geschwächten Party. Letztlich entscheiden sich unsere Helden zur Flucht und zusammen mit dem neuen Stein und der geschwächten Memoriae im Schlepptau reisen sie durch die Zeiten zurück zum Jagdschloss.
Dort erwartet sie ein terraformtes Gelände mit brandneuen Hütten und Unterkünften vor dem Schloss. Im Inneren erwarten sie alle Lieben und ein jeder ist froh, in den Armen ihrer Partner zu liegen. Oscar und Rosalinde verschwinden schnurstraks nach oben, Escaar und Lavande folgen ihnen sogleich nach und U-Ranos fällt Eliza erst um die Arme, bevor auch sie in ihren Gemächern verschwinden. Nayru kümmert sich mit Terralion und Balthus um Memoriae, dann liefert sich Nayru mit ihrem Meister den langerwarteten Trainingskampf auf den grünen Wiesen und Weiden vor dem Schloss.
"Ich habe mit dieser Bibel öfter Leuten in die Fresse gehauen, als ich darin gelesen habe. Das sagt viel über meine Religion aus." - U-Ranos über das 4kg schwere heilige Wort seiner Mutter.
11.01.26
Die Party befindet sich immer noch am Ort zwischen den Zeiten und versucht, einen Weg zurück zu finden. Amlin muss sich noch von dem Schock erholen und Oscaar kommt nach wie vor nicht damit klar, keine Magie wirken zu können. Also lassen sie die beiden mit einem Fernsprechstein zurück und schauen sich in der Umgebung um. Nachdem sie ein mysteriöses mechanisches Objekt untersucht haben, wendet sich plötzlich ein Zeitwächter an sie. Er teilt ihnen mit, dass er sie von diesem Ort wegbringen kann, wenn sie ihm Dinge bringen, die genug Zeitenergie beinhalten, um als Resonatoren zu dienen. Um nicht Amlin oder einen ihrer magischen Gegenstände zu opfern, macht sich die Party auf den Weg, um im Uhrturm nach einer anderen Möglichkeit zu suchen. Und die findet sich in Form von fliegenden Wesen, deren Schuppen sich als der Schlüssel erweisen. Doch bevor die Party sich zurückbegeben kann, wird sie von einer Naga angegriffen, die sich bei jedem Niedergang erneut spaltete. Nach dem Sieg über das überwältigende Wesen kehren sie zum Zeitwächter zurück und drücken ihm die Schuppen in die Hand. Sie teilen ihm mit, zurück ins Jagdschloss ihrer Zeit zu reisen und er erklärt, dass das nicht zu einhundert Prozent sicher funktionieren wird. Dennoch wagt die Party es und wird in einen Strudel der Zeit gesogen.
Als sie erneut ihre Augen aufschlagen, befinden sich hingegen nicht im Jagdschloss, sondern einem Kürbisfeld. Dem Kürbisfeld vor Craindres Haus. Irritiert stapft die Party durch die Erde und auf das Haus zu und wird schließlich von seiner Bewohnerin mit Überraschung und Schock in den Augen begrüßt. Bei näherem Betrachten finden sich auch Mei, Serff und Cinnabar im Haus und sehen niedergeschlagen aus. Wie Craindre erklärt, befindet sich die Party momentan 700 Jahre in der Zukunft, einer Zukunft, in der die Helden im Kampf gegen Invidianoir gefallen und Narcian zusammen mit Alcuin die Macht übernommen haben. Außer den vieren vor Ort hat niemand überlebt, der sich gegen Narcian gestellt hatte. Auch die verbliebenen Götter sind gefallen und ihre Position wurde von Narcian eingenommen.
Invidianoir-Encounter
Die Gruppe hört ein Explosionsgeräusch aus dem Tempel hinter dem Palast Yerenas. Die Gruppe eilt sofort dorthin und findet Invidianoir und Amlin vor. Letztere wirkt mit ihrer Orkarmee auf sie ein und möchte unbedingt das Geheimnis des Tempels von ihr erfahren, doch noch weigert sich Amlin. Invidianoir lässt nicht mit sich reden, auch die Gesinnungsveränderung Mallusdurs interessiert sie nicht - sie hat sich schon ganz Narcian verschrieben. Geschwächt vom letzten Kampf hingegen, sieht die Party auch keine Möglichkeit, im Kampf gegen die vermeintlich stärkste Hohefürstin (die schon zwei Götter getötet hat!) zu bestehen, doch sie können Amlin nicht im Stich lassen. U-Ranos und Escaar begeben sich nach oben zu den beiden, um mit Amlin zu reden und sie zu überzeugen, ihre Zeitkräfte zur Rettung zu nutzen, doch Amlin weigert sich aus Sorge vor den Kosequenzen. Als die Situation schließlich eskaliert und Invidianoir sogar zum Angriff auf U-Ranos übergeht, muss die Party handeln. Trotz aller Kampferfahrung und Stärke kann U-Ranos dem Angriff nicht standhalten. Er sinkt in sich zusammen, das erste Mal seit langer Zeit gänzlich bewusstlos. Nayru eilt zu ihm, nimmt all ihre Kräfte zusammen und setzt zur stärksten Heilung an, die sie je gewirkt hat. In diesem Moment erkennt auch Amlin den Ernst der Lage. Sie weist alle an, sich zu versammeln, und so schnappt Escaar alle und bringt sie in ihre Reichweite. Im nächsten Moment befinden sich alle an einem Ort zwischen den Zeiten, dem Ort, vor dem sich Amlin gefürchtet hatte. Sie kann nicht mehr über den Ort sagen, als dass Magie hier keine Wirkung zeigt.
-- In Yerenas (14.12.25)
Sobald die Gruppe sich in Yerenas wiederfindet, zieht Escaar die Kapuze über den Kopf und kauert sich zusammen. Sie ist erneut an einem Ort, an den sie nie zurückkehren wollte. Bevor sie sich wieder auf den Weg machen können, kommt Lamia die Schneiderin auf sie zu, entdeckt U-Ranos und Nayru und bietet der Gruppe an, einen geselligen Tag in der Taverne auf dem Berg zu verbringen. Dort angekommen, setzten sie sich an einen Tisch mit einem Fremden. Bei genug Speis und Trank sinnieren Escaar und der Fremde über ihre Vergangenheit, bis sie eines feststellen: Sie kommen aus demselben Dorf, sind Geschwister, die so viele Jahre lang nichts vom gegenseitigen Verbleib gewusst hatten. Obwohl Escaar zögerlich ist, entscheidet sie sich schließlich mit U-Ranos Anraten dazu, in ihr altes Heimatdorf und zu ihrer Ziehmutter zurückzukehren, die krank an das Bett gefesselt ist. Doch gerade, als sie sich auf den Weg zu ihr und zur Apotheke machen wollen, kommt Phaerille in die Taverne gerannt auf der Suche nach Hilfe. Sie berichtet der Gruppe vom Notstand ihrer Geschwister, die von einem Fremden aus dem Schloss gejagt worden waren. Als die Gruppe den Garten der Recken betritt, berichtet der Fremde Navarre (vom Wüstenkontinent Vigias) von seinem durch Narcian gegebenen Anspruch, künftig die Herrschaft über Yerenas und die Elfenlande auszuüben. Um sich über das vereinte Pöbeln der Gruppe hinwegzusetzen, stößt er die Gruppe mit dämonischen Winden durch das Gewächshaus in eine Gruppe Mumien, während er selbst mit den drei Recken allein verbleibt- Nachdem alle Bandagenträger verbrannt und gebrutzelt zu Staub zerfallen sind, rennt die Gruppe zurück zu Navarre, der die Recken und Escaars Bruder Tannivh gänzlich kontrolliert. Schließlich bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich dem Kampf gegen den Fürsten der Wüste und seiner Mumienkreaturen zu stellen. Mit allerletzten Kräften ringen sie den sandigen Perversling nieder und befreien die Recken und Tannivh und befreien sich von den Anti-Heal-Flüchen, die die Mumien auf sie gewirkt hatten.
-- Kampf gegen Ar-Merer (08.12.25)
Es kommt zum Kampf gegen Ar-Merer, der seinen göttlichen Speer gegen die Gruppe erhebt und die vermeintliche Gerechtigkeit zu verteidigen sucht. Er bedient sich aller Tricks, die er hat, um den von U-Ranos errichteten Schutztempel niederzureißen und die Gruppe bluten zu sehen. Egal, welche Worte sie an ihn richten, Ar-Merer ist taub dafür. Und doch bleibt ein ungutes Gefühl in der Luft, welches die Gruppe nicht trügen soll. Nach einiger Zeit beginnt Ar-Merer, sich zu verändern und eine dunkle, unheilvolle Gestalt anzunehmen, die die Gruppe nur mit Mühe und Not niederringen kann. Nachdem Oscars den Engel mit seiner Feuerkraft in den Boden gestampft hatte und U-Ranos zu seiner Seite eilt, betritt niemand Geringeres als Justicia den Gerichtssaal und eilt ebenfalls auf die beiden zu. Sie fragt, was passiert sei und hört mit Bedauern alles an, was geschehen ist. Während Meri seinen letzten Atem aushaucht und er über sich selbst, sein Leben und seine Aufgabe sinniert, unterbricht Alcuin die gedrückte Stimmung. Sofort rafft sich die Gruppe wieder zusammen und sammelt sich um Oscar, der sich darauf vorbereitet, alle aus der Situation wegzuteleportieren. Noch sind sie nicht soweit, sich Alcuin zu entgegenzustellen. Doch trotz Oscars akribischem Vorgehen und seinen unvergleichlichen Zauberkenntnissen schickt der Zauber sie nicht wie geplant ins Jagdschloss, sondern nach Yerenas, die Hauptstadt der Elfen.
-- Malusdur-Encounter (07.12.25)
Die Party begibt sich auf die Insel des Himmels, um ihren Plan, mit Malusdur ins Gespräch zu kommen, zu verwirklichen. U-Ranos und Nayru begeben sich hinunter, um mit Malusdur zu reden, doch er holt sie zu sich in den Thronsaal des Königshauses Faergrias, wo er mit seinen verbleibenden Hohefürsten auf sie wartet. Schließlich beginnen U und N damit, ihm von Kalamitis Verbleib zu berichten. Er zeigt sich unkooperativ und glaubt auch Memoriaes Beteurungen nicht, dass U-Ranos die Wahrheit spricht. Er setzt an, Nayru zu töten, doch Memoriae wirft sich vor sie und stirbt stattdessen. Allein der Anruf von Kalamiti über den Stein ist es, der ihn davon abhält, schlimmeres Unheil anzurichten. Ein Treffen im Animus wird vereinbart, Nayru von Malusdur als Geisel behalten. Im Gerichtssaal Justicias treffen beide Parteien aufeinander, Bruder und Schwester vereinen sich und brechen den jahrhundertelangen Hass und das Misstrauen Malusdurs. Er sieht seine Missetaten ein und zeigt sich besorgt über die Entwicklung seines Vasallen Narcian, der nicht mehr unter seiner alleinigen Kontrolle zu stehen scheint. Schließlich entscheidet sich Malusdur, sich der guten Seite anzuschließen und beugt sein Haupt in Entschuldigung vor jedem der vier Recken, die so viel Leid durch ihn und seine Hohefürsten erlitten hatten. Doch für die Versöhnung bleibt nicht viel Zeit. In jenem Moment, in dem U-Ranos und Malusdur sich die Treue mit Handschlag beschwören, erscheint Ar-Merer und wirft seinen gleißenden Speer in tödlicher Absicht. Malusdur und Kalamiti teleportieren sich in Sicherheit und Meri beginnt mit seinem Spott. Er wirft der Gruppe vor, mit den Bösen zusammenzuarbeiten, beginnt aber schließlich, auf U-Ranos einzureden. Er schottet ihn und sich mit einer Mauer von den anderen ab, holt die letzte, verbleibende Seele hervor und drückt sein Bedürfnis aus, wieder eins mit seinen Geschwistern zu werden. U-Ranos scheint zu zögern und den Gedanken nicht ganz abzuwenden, bis er schließlich doch ablehnt. Obwohl es ihn schmerzt, seine Geschwister ein weiteres Mal in ihrer Seelenform allein zu lassen und sich von Inoru abzuwenden, hat er noch als U-Ranos viele Versprechen zu erfüllen. Und da auch Ar-Merer keine Hoffnung mehr zur Einigung bleibt, startet er seinen Angriff auf die Gruppe.
Den nächsten Morgen gingen Arion und ich ruhig an. Es gab keine Lebensmittel zum Kochen, also setzte ich heißes Wasser im Zwergentopf auf und machte mich dran, die Mumienbandagen auszukochen. Die Plörre, die dabei im Topf entstand, war zwar so unwirtlich, dass sie beim Ausgießen die Pflanzen verödete, aber die Bandagen selbst sahen danach schon wesentlich besser aus. Immer noch nicht gut, aber besser als gar nichts, nicht wahr? Nachdem ich die Bandagen zum Trocknen gehängt und mich rasiert hatte – es musste einfach mal wieder sein – erzählte mir Arion am Frühstückstisch etwas äußerst … Merkwürdiges.
Heute Nacht fand ich es schon etwas komisch, als ich plötzlich die Zimmertür aufgehen und ihn reinkommen hörte. Ich dachte mir nicht viel dabei, aber heute Morgen erzählte er mir dann, dass er … eine merkwürdige Frau in der Küche getroffen hatte? Frau ist relativ, es war wohl eine Puppe aus Porzellan? Ja, das habe ich mir auch gedacht, das kam mir schon äußerst komisch vor, auch mein Meister schien das interessant zu finden, zumindest habe ich ihn sehr viel stärker gespürt als sonst. Arion erzählte, dass er sie schon im Zimmer des alten Mannes gesehen hatte und dass sie ihn im Ferienhaus aufgesucht hatte, um sich bei ihm für den Schrecken zu entschuldigen. Dass sie wirklich eine Porzellanfrau ist, konnte Arion sogar beweisen, nachdem er einige Scherben auf dem Tisch ausbreitete. Er hat ihr zugesichert, einen Reparateur für sie aufzutreiben und hat auch mich um Rat gefragt. Aber Porzellan? Ne, da kenn ich mich nicht aus, auch zuhause kenne ich niemanden aus diesem Handwerk. Aber wer weiß, wen wir auf unseren Reisen noch so finden werden.
Als wir zurück zum Gasthaus gingen, holten wir unsere Belohnung und das Frühstück ab und brachen sofort auf. Mit der neuen Kutsche kamen wir zügig voran, doch am Mittag ereilte uns die Nachricht, dass die Brücke rüber nach Basin gerade repariert wurde. Also schlug der Kutscher uns vor, uns nach Norden in das Tal neben dem See zu bringen. Von dort aus konnten wir uns dann einen Weg zu den Sümpfen suchen und darüber Bainnoque erreichen. Ich hatte ehrlich gesagt nichts dagegen, keinen erneuten Abstecher zu machen. Zwar hätten wir Vorräte dringend nötig gehabt, aber so, wie der Vulkan aus der Ferne getobt hat, war allergrößte Eile geboten. Zumindest in der Theorie, denn da ich ohne drei warme Mahlzeiten am Tag nicht richtig funktioniere, nahm ich die Einladung zum Mittagessen von Frau Adelaine und ihrem Bruder dankend an. Arion und ich retteten die Dame im Tal vor einer Horde Goblins und zum Dank lud sie uns in ihr Schloss ein. Ihre „Steinhaufen“, wie man so schön sagt. Zwar schien sie mehr Wert auf Formalitäten statt zwischenmenschlicher Beziehungen zu legen, aber ihr Bruder war beim Essen ziemlich gesprächig. Er fragte uns nach den Ereignissen in Thycoria aus und schien besonders an den zwei Gestalten interessiert, die wir in den Ruinen im Wald getroffen hatten. Wie sich herausstellte, scheint ein Mann namens Godelot entfernt mit der Prinzessin des Reichs verwandt zu sein und auf den Thron zu geiern. Adelaine nach zu urteilen, sei dieser Godelot magisch nicht bewandert, was die Anwesenheit seiner Gehilfin Grieshild erklären könnte. So langsam bekomme ich Sorge, dass wir die zwei wirklich nicht zum letzten Mal gesehen haben. Wenn sie schon hinter dem Thycoriten her waren, werden sie sich auch auf die anderen Splitter stürzen wollen. Auch wenn ich nur zu gern wüsste, was sie damit vorhaben. Die Steine bergen große Mächte, das ist keine Frage, aber … sind das Mächte zum Sturz einer Prinzessin?
Nachdem mir das Gespräch ein bisschen zu viel über dieses Thema gekreist war und der Schlossherr vom Reinigen seines Kerkers gesprochen hatte, war ich mehr als bereit, den Haufen wohlgeordneter Steine wieder zu verlassen. Ich hoffe mal, dass wir nicht zu viel erzählt haben. Immerhin konnten wir noch vier Bandagen vom Schlossherrn bekommen, als Dank, dass wir seine Schwester gerettet hatten. Aber leider muss ich sagen, dass ich diese Bandagen bei unserem Weg durch die Sümpfe schon wieder verbraten habe… Nachdem wir das Tal hinter uns gelassen hatten, machten wir uns auf den Weg über einen Holzsteg, der durch den Morast führte. Allerdings hatte ich nicht wissen können, dass sich in meiner Anwesenheit ein ganzer Tierpark auf dem Gebiet versammelt hatte! Arion hatte zwar seinen Spaß damit, die wilden Worgs über den Morast zu reiten – dabei hat er sich wirklich ziemlich gut angestellt, obwohl er meines Wissens noch nie irgendwas geritten ist – aber als plötzlich ein Tiger seine Verfolgung aufnahm und wir voneinander getrennt wurde, sah es nicht mehr so rosig aus. Die Brücken waren marode, sodass ich ihm nicht einfach hinterherrennen konnte, außerdem rammte mir auf halbem Wege ein Eber seine Stoßzähne in die Seite, um seine Frischlinge zu schützen. Das Brüllen des Tigers hörte ich durch den ganzen Wald, aber irgendwie konnte Arion sich wie die Affen in die Bäume retten. Als ich ihn endlich eingeholt hatte, hatte er das Tier schon ausgenommen und der Pelz hing über seiner Schulter. Frille wird sich freuen, wenn sie daraus was Schönes basteln darf.
Es dämmerte langsam, als wir mit dem Boot rüber an den Fuß der Bergkette übersetzten. Hier kannte ich mich jetzt wieder besser aus, und so bat ich Arion, sich mit mir durch die Dunkelheit zum Dorf zu schlagen. Dort würden wir erstmal essen und uns versorgen können, sofern die Eruptionswellen alles unbeschadet gelassen hatten. Je näher wir dem Dorf kamen, desto mehr fürchtete ich mich davor, was dort abgehen würde. Aber was auch immer ich mir vorgestellt hatte, letztlich kam es doch ganz anders.
Es war schon dunkel, als wir Bainnoque erreichten und die meisten waren sicherlich schon wieder in ihrem warmen Häusern oder der Taverne, um sich vor dem Ascheregen zu schützen. Nur zwei Zwerge waren noch draußen unterwegs, Dorangrolin und Skogheth. Skogheth hat seine Stimmkraft wirklich nochmal steigern können, Mann oh Mann, ihn hörte ich schon durch das halbe Dorf brummen. Ich war froh, die beiden wiederzusehen, doch meine Freude wandelte sich schnell in Besorgnis. Denn sie waren… mehr oder weniger verwirrt, mich anzutreffen. Fragten mich, wieso ich schon zurück sei und wo ich denn meine Schwester gelassen hätte.
Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mir im Dorf nichts Seltsames anmerken zu lassen und hatte auch Arion gebeten, keine unbedachten Kommentare zu vergangenen Ereignissen zu machen, aber in dem Moment war ich einfach perplex und stammelte irgendwas vor mich hin. Was soll das denn heißen? Ich bin vorgestern aufgebrochen, um mit meiner Schwester zu Mine zu gehen? Mit WEM ist meine Schwester da los? Und warum in die Mine? Sie weiß doch, dass ich das nicht so gerne sehe und sie hat mir doch auch damals bei meiner Abreise versprochen, nichts Unbedachtes zu tun! Als ich mich zu Arion umdrehte, fiel mir auf, dass ich ihn noch gar nicht richtig vorgestellt hatte, aber was sollte ich den beiden denn sagen, wer er ist? Ich habe ihn vor zwei Wochen in Thycoria getroffen und seitdem reisen wir durch Kradian? Nah. Angeblich habe ich ja hier in Bainnoque mein ganz normales Leben weitergeführt. Ich frage mich wirklich, was mein Meister damit zu tun hat und was er damals meiner Familie mitgeteilt hat. Ein falscher Agraston? Kann er so etwas tun? Und wenn er es nicht war, wer dann?? Arion fing mich gottseidank wieder ab und lenkte meine Gedanken auf das, was jetzt wichtig war: meine Schwester! Nachdem ich Mechthild mit einem Zettel Bescheid gegeben hatte, dass wir zur Mine aufgebrochen sind, zog ich Arion in Richtung Mine, doch auf dem Weg kam ich an Omas Haus vorbei und nun ja, sie war ebenso verwundert wie die anderen beiden. Ich erzählte ihr, ich wäre nochmal kurz zurückgekommen, um etwas zu holen, müsse aber schnell zurück zu Ingvild, um sie nicht allein zu lassen, aber du weißt ja, wie sie immer ist. Sie hat mich zusammen mit Arion erstmal reingebeten und ihre leckere Kürbissuppe serviert. Obwohl wir eigentlich keine Zeit hatten, konnte ich mir nicht das Wiedersehen mit Oma entgehen lassen. Ich war so glücklich, sie wieder in meine Arme schließen und ihre Suppe essen zu können. Egal wie herzlich sie in meinen Gedanken immer war, in Realität ist sie noch viel herzlicher. Auch Arion hat sie gleich in ihr Herz geschlossen, obwohl sie ihn gerade erst kennengelernt hatte. Ich wünschte, wir hätten mehr Zeit gehabt, dann hätte ich ihm alle vorstellen und in Erinnerungen schwelgen können. Aber kaum war die Suppe verspeist, ging es auch schon wieder weiter. Wenn Ingvi in Sicherheit ist, dann können wir uns alle Zeit der Welt nehmen, um die Missverständnisse aufzuklären und erstmal richtig anzukommen. Vielleicht können wir Arion dann auch eine zweite Heimat in den Bergen bieten, so wie er und die Bewohner Thycorias es für mich getan hatten.
Am nächsten Morgen wachte ich mit ziemlichen Kopfschmerzen auf. Ich muss über Nacht so angespannt gewesen sein, dass meine Muskeln sich völlig verkrampft und verspannt haben. Ich verschlief sogar Arion, der mich zum Frühstück wecken musste. Immerhin hatten wir heute nicht mehr vor uns als einen Reisetag. Ich kaufte Quentins Mutter ein paar Laibe Brot zur Verpflegung ab und wenig später rief der Kutscher schon von draußen. Quentin und Arion verabschiedeten sich mit einem Versprechen, irgendwann gegeneinander zu kämpfen, wenn sie stärker geworden wären. Aber aus irgendwelchen Gründen schien Arion darüber nicht so begeistert zu sein, auch nicht darüber, dass ich Parallelen zwischen ihm und Quentin aufstellte.
Schließlich stiegen wir in die Kutsche und fuhren eine ganze Weile gen Norden. Ich las mein Buch während Arion die vorüberziehende Landschaft beobachtete. Es wurde langsam immer bergiger und waldiger und als wir durch ein kleines Waldstück fuhren, rumpelte es ganz schön. So stark, dass es und die Achse zerrissen hat. Wenn ich doch noch diesen Reparaturzauber bei mir gehabt hätte! Aber scheinbar ist diese Fähigkeit im Schlaf den unheimlichen Strahlen gewichen… So blieb uns nichts anderes übrig, als die Kutsche zum nahegelegenen Weingut zu schleppen und dort auf den Reparaturdienst zu warten. Arion sah sich sofort am Auftragsboard um, da wir schon wieder eine ganze Weile würden warten müssen. Doch als wir uns im Gutshaus nach dem Auftrag erkundigten, hieß es erst irgendwas mit Rattenjagd in einem alten Haus, aber die Dame an der Theke schloss auch nicht aus, dass es sich um Geister handeln könnte. Als er das hörte, war Arion nicht mehr so begeistert und hätte den Auftrag schon fast sein gelassen. Als er mich beim Abendessen unsicher fragte, ob ich an Geister glaube, wusste ich ehrlich gesagt nicht, was ich sagen sollte. Es würde mich nicht wundern, wenn Geister existieren. Ich meine, wenn etwas oder jemand wie mein Meister existieren kann… dann habe ich keinen Grund, die Existenz von jeglichen übernatürlichen Wesen zu leugnen. Aber sowas konnte ich dem Jungen ja nicht sagen, der hätte keinen Fuß mehr vor die Tür gesetzt! Und selbst, wenn es wirklich Geister gibt, wieso sollten sie sich ausgerechnet hier auf dem Weingut blicken lassen? Sehr wahrscheinlich waren es nur Ratten und damit versuchte ich auch, Arion zu beruhigen.
Also gingen wir als nächstes zum Haus am See und redeten mit dem Besitzer. Der Alte erklärte die Lage und die komischen Geräusche, die er ab und zu hörte. Bevor er uns zum Keller wies, erzählte er auch noch irgendeine uralte Legende von seinem Haus und dem Weingut, irgendein Fluch, eine Dame und ganz viel Regen. Kaum drehte ich mich um in Richtung Keller, war Arion schon verschwunden. Mittlerweile war es dunkel geworden und ich musste eine ganze Weile nach ihm suchen, bis ich ihn überzeugen konnte, mit in den Keller zu kommen. Wenn es ihm lieber gewesen wäre, hätte er sich auch nach drinnen zum Alten gesellen und ein Heißgetränk zu sich nehmen können. Ich weiß nicht, woher seine Angst vor Geistern kommt, aber wenn ich ihm helfen kann, sie zu lindern, dann will ich nichts unversucht lassen.
Immerhin ging letztlich alles gut aus. Als wir uns im Keller umsahen, fanden wir tatsächlich ein Rattenloch in der Wand und heraus kam eine ganze Armee an Ratten und Rattenmännern. Kaum waren sie tot, betätigte Arion einen Schalter und alle Weinfässer auf den Halterungen rutschten auf einer Rampe, die sich auftat, hinab in den See. Arion sprang auf sie drauf und so blieb mir auch keine andere Wahl, als hinterherzuspringen. Eine ganze Weile glitten wir durch die Dunkelheit und landeten schließlich in einer unterirdischen Höhle voller Skelette und Knochen, die weitaus größer waren als von allen Kreaturen, die ich kannte. Nur mit Glück und Arions Schläue konnten wir uns vor einem unterirdischen Wasserfall zurück an Land retten und wieder aus der Höhle an die Oberfläche kriechen. Wir waren auf der anderen Seite des Sees, also gingen wir zurück zum alten Mann und erklärten ihm, dass alles erledigt war. Doch während ich mit ihm redete und ihn bat, uns wasserdichte Mäntel gegen den Regen zu leihen, schnappte sich Arion von der Kommode den Schlüssel für das abgeschlossene Zimmer, das er schon vorhin neugierig beäugt hatte. Als ich mich zu ihm umdrehte, um ihn zu warnen, dass der Alte gleich wieder da sei, war er plötzlich nicht mehr da. Er steckte im Raum fest, der sich wieder verschlossen hatte! Ich rüttelte an der Tür, während es draußen zu Donnern begann, aber sie ging nicht auf. Erst im letzten Moment, bevor der Alte sich wieder zu uns gesellte, sprang sie auf einmal wieder auf und heraus kam ein leichenblasser, schockerstarrter Arion.
Als wir uns im Regen auf den Weg zu unserem Ferienhaus machten, musste ich ihm schon fast hinterherrennen, so schnell wollte er weg von dem Ort. Aber er antwortete auf keine meiner Fragen, was da drin passiert sei. Hat der Alte in dem Zimmer Leichen versteckt? Aber dann hätte man die doch riechen müssen und Arion hätte sicher etwas gesagt! Den Rest des Abends stand Arion neben sich, er verkroch sich sofort ins Bett, während ich mich trocknete, wusch und bettfertig machte. Ich zündete eine Kerze in unserem Zimmer an, um Licht zum Schreiben zu haben, entschied mich aber letztlich dazu, sie über Nacht anzulassen. Wer weiß, vielleicht hilft ihm das Licht ja beim Schlafen?
Ich hoffe, dass es ihm morgen wieder besser geht und ich ihn heute Nacht nicht so mit meinem Wimmern und Stöhnen im Schlaf erschrecke. Beim Abendessen vorhin hatte er mich drauf angesprochen, ob meine Schwester das nie gestört hätte, wenn ich bei ihr geschlafen hätte. Da habe ich ihm erzählt, dass das damals noch nicht so war, dass sie mich nur als.. naja, den guten alten, lieben Agraston kennen… Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es für meine Familie und meine Freunde wäre, mich in diesem Zustand wiederzutreffen. Ich weiß, dass ich zurückmuss, mich versichern muss, dass es allen gutgeht. So lange sehne ich mich schon danach, meine Schwester wieder in die Arme zu schließen, aber ich mache mir große Sorgen darüber, wie sie auf mich reagieren wird. Sollte ich geheim halten, was passiert ist? Aber wie soll ich dann erklären, dass ich wahrscheinlich wieder los muss? Wie soll ich meine nächtliche Unruhe oder meine gedrückte Stimmung erklären? Ich will sie nicht anlügen, aber welche Wahl bleibt mir denn? Ach, lassen wir das für heute, ich muss schließlich noch ein bisschen Schlaf bekommen. Darüber kann ich mir Gedanken machen, wenn es so weit ist, und bis dahin muss ich meine Kräfte sparen.
Am Mittag des nächsten Tages erreichten wir plangemäß das Dorf Llyn. Unser Kutscher wollte eine Pause bis zum nächsten Morgen einlegen, also blieb uns ein wenig Zeit zur Vorbereitung. Das dachte ich zumindest, denn kaum, dass wir uns dem Gildengebäude näherten, überhörten wir auch schon das Gespräch zwischen einer verzweifelten Frau und einem Gildenmitglied. Die Frau war am Boden zerstört, weil ihr Sohn, ebenfalls ein Abenteurer, nicht von seinem Auftrag zurückgekehrt war. Arion war erst skeptisch, aber dann bot er doch seine Hilfe an. Immerhin hatten wir Zeit.
Der Junge war zu einem Banditenlager im Westen aufgebrochen, deren Bewohner Llyn schon seit Längerem mit Überfällen und menschenverachtendem Verhalten plagten. Mehr konnte die Gilde uns leider nicht geben, Unterstützung war auch keine drin. Also schlichen wir uns zu zweit in die Höhle, um uns die Sache genauer anzuschauen. Und nach dem Jungen zu suchen, natürlich. Wobei es mir wirklich schwer fiel, hoffnungsvoll zu bleiben, nach allem, was wir über diese Banditen gehört hatten. Das hab ich mir vor der Mutter glaube ich zu sehr anmerken lassen, Arions ganzen Seitenhieben nach zu urteilen.
Die meisten Banditen patrouillierten in der Höhle umher, sodass wir sie in einzeln oder in kleinen Gruppen ausschalten konnten. Doch nachdem wir versehentlich die Alarmanlage ausgelöst hatten und die lautlose Verständigung mit Arion fehlschlug, hätten sie uns fast überrumpelt. Mit größtem Glück konnten wir sie letztlich noch überwinden und unsere Suche weiterfortsetzen. Die Alarmanlage überwanden wir mit einem merkwürdigen Trank, Dunstformtrank stand darauf, glaube ich. Für den hatte ich schonmal eine Anleitung in Thycorias Gilde gesehen, daher konnte ich mir seine Wirkung vorstellen und bot mich als Versuchskaninchen an. Plötzlich waberte ich als Nebel über den Höhlenboden und brachte beim Lauschen in Erfahrung, wie wir die Alarmanlage ausschalten könnten. Wir zündeten zwei Kohlebecken nahe des Eingangs an und konnten uns so auf den Weg zu den Gemeinschaftsräumen und dem Speisebereich machen.
Als wir herausfanden, dass die Banditen zwei Anführer hatten, Gangolf und Kunibald, und einer mit dem Jungen in der Folterkammer war, wussten wir, dass wir schnell und effektiv handeln mussten. Aus der Tasche kramte ich die Kluft eines der Banditen hervor, hielt sie Arion hin und nickte mit dem Kopf in Richtung Speiseraum, aber der Junge schien von einem Verkleidungsspiel nicht sonderlich angetan zu sein. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich selbst in die viel zu kleine Kluft zu quetschen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr die gestunken hat! Der Geruch hängt immer noch in meinen Haaren… Dank der eingefallenen Augen und den glanzlosen Haaren, die ich den letzten Nächten zu verdanken habe, sah ich den Banditen in dem Fetzen immerhin etwas ähnlich. Aber als ich den Raum betrat, wurden meine Beine trotzdem weich und zittrig. Was sollte ich denen denn sagen? Wie sollte ich denn gar den Schlüssel für die Folterkammer erringen? So gern ich mehr darüber nachgedacht hätte, wusste ich doch tief im Herzen, dass es das nur schlimmer gemacht hätte. Also blieb mir nichts anderes übrig, als einfach drauflos zu gehen. Die Banditen beäugten mich prüfend, kaum dass ich einen Schritt in die Kammer gesetzt hatte. Wenige Sekunden später hatte ich schon ein Messer am Hals. Immerhin konnte ich den Misstrauischen mit einem erdachten Namen und einem Vorwand, mit dem Boss sprechen zu wollen, abwimmeln. Der Boss selbst hatte eine Sehschwäche und so konnte ich auch ihn hinhalten, aber ich kam dem Schlüssel und seinem Bruder kein Stückchen näher. Als ich mich mit den anderen Männern zum Essen begab, ging es langsam bergab. Ich wollte einfach nur meine trockene Kehle befeuchten und was trinken, da hauen meine beiden Nachbarn mich auf einmal an von wegen Trinkspruch. Uhhhh. Joa. Ne. Is nicht, ging mir durch den Kopf. Ich stammelte irgendwas von wegen der Alk hat mir schon Löcher in den Kopf gebrannt, aber für den Misstrauischen war das gefundenes Fressen. Er pöbelte so lange rum, bis der Boss sauer wurde und ihm schließlich geglaubt hat.
Als er und die anderen auf mich zukamen, hätte ich am liebsten nach Arion gerufen, aber das hätte ihnen nur verraten, dass ich nicht allein hier war. Aber Arion schien das Geschehen auch so weiterverfolgt zu haben, denn wenig später ging der Alarm wieder los und sorgte dafür, dass zwei Männer zur Wache in die Tunnel geschickt wurden. Kaum stand ihr Boss mir mit seiner hässlichen Wildschweinfratze entgegen, tauchte hinter ihm schon Arion auf. Sehr gut, ein eins gegen eins hätte ich niemals bestanden. Mit jedem Schlitzer, der seine Haut durchfuhr, wurde der Boss bestialischer. Das Blut schien unter seiner Haut zu kochen und ihm neue Kraft zu geben. Und obwohl seine Geisteskraft zu sinken schien, hörte er nicht auf, mich danach zu fragen, was ich hier wolle, hinter was ich her sei, ob ich einer von ihnen wäre, oder so. Im ersten Moment hatte ich die Befürchtung, dass sie ebenfalls zu meinem Meister gehören, aber er hatte mir keine Informationen dazu gegeben. Daher setzte ich alles daran, diese Kreatur so schnell wie möglich aus dem Leben zu reißen. Arion war ebenfalls in Bestform, die neuen Hellebarden scheinen ihm wirklich gutzutun! Auch wenn sie noch etwas zu leicht für ihn sind. Der Junge ist noch lang nicht an seinem Limit!
Als die Kreatur tot vor uns auf dem Boden lag, sah ich zwischen seinen Gliedern einen weiteren Bindungsstein hervorkommen. Er sah so aus wie meiner, aber trotzdem fühlte sich seine Kraft anders an. Trotzdem konnte ich auf sie zugreifen und denselben merkwürdigen Blutrausch nutzen, den er verwendet hatte. Den hatten wir auch bitter nötig, als wir mit dem Schlüssel zurück in die Folterkammer rannten. Dort fanden wir den anderen Bruder über den jungen Abenteurer gebeugt, im Begriff, ihn zu fressen. Arion machte den Jungen los, damit er uns im Kampf beistehen konnte, während ich ihm aus der Ferne mit der neugewonnenen Kraft zusetzte. Der Junge, der sich als Quentin rausstellte, war uns ebenfalls eine große Hilfe und zum Glück hatte er die Gefangenschaft gut überstanden.
Quentins Mutter war hocherfreut und lud uns zum Abendessen und zur Übernachtung in ihrem Häuschen ein. Arion und ich schliefen diesmal in einem Zimmer, aber das hielt meinen Meister nicht davon ab, mich trotzdem im Schlaf zu sich zu rufen. Er sprach von sogenannten Todeskandidaten, die Bündnisse mit alten Mächten geschlossen haben und diese Steine mit sich rumtragen. Steine, die Gunst und Gabe, aber auch Verhängnis verheißen können. Scheinbar sind sie so begehrt, dass sich Todeskandidaten gegenseitig umbringen wollen, um an die Steine zu kommen. Hm. Mein Meister gab mir noch die Weisung, ich müsse die Macht bündigen, bevor ich von ihr verschlungen werde.. Ich kann dir sagen, dass das ein unglaubliches Erlebnis war, dem Blutrausch verfallen zu sein. Ich denke, das ist es, was er gemeint hat. Wenn man sich der Macht hingibt, endet man vielleicht auch so wie die Bestienbrüder…
Gleich nach dem Aufwachen stand ich auf und ging rüber zu Arion. Ein leichtes schlechtes Gewissen hatte ich schon, ihn gestern ohne seine Sachen bei offener Tür drüben schlafen zu lassen, daher wunderte es mich umso mehr, als ich die Tür heute Morgen zugeschlossen vorfand. Ich dachte mir nicht viel dabei und schloss auf, um zu gucken, ob der Junge schon wach war, aber zu noch größerem Erstaunen stellte ich fest, dass er nicht allein war! Neben ihm lag eine kleine Frau, die mich aus großen, roten Augen anstarrte. Sofort knallte ich die Tür wieder zu und rief ihr hinterher, sie solle Arion sagen, dass ich mich schonmal um das Frühstück kümmere.
Arion scheint wirklich weitaus mehr Erfahrung mit den Damen zu haben, als ich mir hätte vorstellen können. Aber so eine Aktion hätte ich ihm nicht zugetraut. Ach, was kann ich da schon sagen, ich war ja selbst nicht besser. Kaum am Tresen angekommen, rannte die Frau auch schon an mir die Tür hinaus, Arion kam ihr hinterher, ohne guten Morgen zu sagen. Als er mit ihr im Schlepptau zurückkam, schienen sich die Wogen wieder geglättet zu haben, jedenfalls erklärte er mir beim Frühstück, dass wir ihr bei einem Auftrag aushelfen würden – mit ihrer Hilfe als Gegenleistung. Ich weiß zwar immer noch nicht, wie die beiden zueinandergefunden haben – ich habe nur irgendwas mitbekommen, dass sie sich wohl in Arions Zimmer geschlichen hat und er froh war, nicht allein schlafen zu müssen? – aber gut, eine weitere Kumpanin an meiner Seite kann nicht schaden. Iza hat uns schließlich damals das Leben gerettet. Außerdem lag ihr Auftrag ebenfalls auf dem Weg nach Norden und sie hatte versprochen, uns im Gegenzug eine Kutsche zu besorgen. So konnte ich sowohl mein Gewissen als auch meinen Meister davon überzeugen, ihr zu helfen.
Wir machten uns auf den Weg gen Norden zum Heldengrab, von dem sie gesprochen hatte. Angeblich seien hier große Krieger begraben worden, aber wir haben nichts anderes angetroffen als ne Menge Fallen, Mumien und Skelettkriegern, von brüchigen Säulen ganz zu schweigen. Nachdem mich ein Giftpfeil aus einer Falle getroffen hatte, sah es einige Zeit lang echt schlecht um mich aus. Ich schwankte zwischen Zuversicht, dass wir schon irgendwo ein Gegenmittel finden würde, und Panik, dass ich meinen linken Arm würde einbüßen müssen, während ich dem Gift zusah, wie es sich weiter durch meine Adern hoch zu meinem Herzen fraß. Eine große Hilfe konnte ich meinen Kumpanen wirklich nicht mehr sein und so war ich froh, als Marie in einer Truhe ein Gegengift für mich gefunden hat. So war ich wieder kräftig genug, um sie und Arion im Kampf gegen einen Heldengeist zu schützen, den wir in einer Grabkammer fanden. Denn die beiden waren mittlerweile auch so angeschlagen, dass sie den Kampf nicht mehr richtig ausfechten hätten können. Wir gaben unser Bestes, den Fackelmechanismus zu lösen, der das Falltor öffnen konnte, doch der Geist rückte uns und vor allem Arion ganz schön auf die Pelle. Immerhin standen sich da zwei geborene Heldenkrieger gegenüber, ich weiß doch, welches Potential in Arion schlummert! Und scheinbar hat auch der Heldengeist das gespürt. Nachdem ich ihn im Geist zum Rückzug gezwungen und mich mit Marie zum offenen Fallgatter gemacht habe, blieb Arion noch eine ganze Weile allein mit dem Krieger zurück. In einer Truhe hatte er die Silberhellebarden des Geists gefunden und schien mit sich zu ringen, ob er sie ihm wie versprochen lassen oder sie mitnehmen sollte. Glücklicherweise war es sein Heldenmut, der den Geist überzeugte, sodass er es Arion gestattete, seine Hellebarden mitzunehmen und ihnen eine würdige, glorreiche Zukunft außerhalb der verlassenen Gruft zu sichern.
Schwer beladen und noch immer angeschlagen kämpften wir uns aus der Gruft, die mittlerweile ganz einzustürzen drohte. Ich dachte, der Schrecken wäre vorbei, als wir wieder Sonnenlicht erblickten, doch eigentlich fing er da erst wirklich an. Als ich Marie fragte, ob sie ein paar der geborgenen Waffen für uns tragen könnte, fiel sie aufgeregt über mich her und wollte sie selbst aus der Tasche holen. So weit, so gut, dachte ich, sie ist ja unsere Freundin und sie hat uns da drin das Leben gerettet. Also habe ich darüber hinweggesehen und war schon wieder besten Sinnes, mich auf den Rückweg zu machen. Doch mit einem Mal bekam ich so heftige Kopfschmerzen, als hätte mir mein Meister höchst persönlich eins mit dem Hammer aufs Oberstübchen gegeben. Da kramte ich in meiner Tasche und bemerkte, dass der Thycorit fehlte – genau wie bei den Banditen vorgestern. Was haben die Leute denn alle mit diesem Stein? Sieht er so wertvoll aus? Woher wissen sie denn überhaupt, dass ich den mit mir rumschleppe!
Ich wandte mich an Marie und bat sie, den Splitter wieder herzugeben, doch sie blockte gänzlich ab. Wie käme ich denn auf die Idee, dass sie mich beklaut hätte, fragte sie und blickte verängstigt und unsicher rüber zu Arion. Ich sah nochmal in der Tasche nach und suchte auch den Boden ab, für den Fall, dass der Splitter mir einfach aus der Tasche gefallen war – schließlich wollte ich ja nicht einfach eine neugewonnene Freundin beschuldigen! Aber da war nichts, also musste Marie ihn haben! Ich versuchte, so freundlich wie möglich mit ihr ins Gericht zu gehen, aber während sie immer weiter abblockte und alles verneinte, egal wie sehr ich ihr ins Gewissen redete, stieg langsam die Panik in mir herauf. Jetzt entschied sich auch Arion dazu, einzugreifen, doch er stellte sich nur schützend vor Marie und sah mich irritiert und verständnislos an. Was würde mir einfallen, ihr so auf die Pelle zu rücken, hatte er gefragt. Sie hätte doch schon gesagt, dass sie nichts damit zu tun hat.
Tief in meinem Herzen wollte ich ihm zustimmen, ihr glauben und vertrauen, aber ich konnte in dem Moment an nichts anderes denken als den Splitter und … die Situation von damals. Arion hat noch keinen Grund, den Menschen zu misstrauen. Er geht sorgenfrei und unvoreingenommen durchs Leben und ich wünsche ihm von ganzem Herzen, dass er niemals gezwungen ist, diese Haltung abzulegen. Aber es gibt böse Menschen da draußen, Menschen, die nur zu ihrem eigenen Vorteil handeln und sich mit Lug und Trug durchs Leben schlagen. So ein Mensch könnte Marie sein, auch wenn Arion das niemals hinterfragen würde. Nur leider bedeutete das, dass er mir hierbei keine große Hilfe sein konnte. Also riss ich mich von ihm los, griff Marie am Arm und nahm es selbst in die Hand, ihre Taschen nach dem Splitter zu durchsuchen.
Marie sank panisch zu Boden und ließ es über sich ergehen, ohne sich zu wehren, und nachdem ich fertig war, dämmerte mir auch, wieso. Sie hatte den Splitter wirklich nicht bei sich. Sie hatte nichts bei sich, dass sie schützen und verteidigen musste. Mit bleichem Gesicht ließ ich locker, zog meine Hand zurück und entfernte mich von ihr. Ich sah noch einmal in meiner Tasche nach und plötzlich sah ich wieder den grünlichen Schimmer des Thycoriten zwischen meinen Habseligkeiten.
Arion war fassungslos. Er half Marie wieder auf und sah mich entgeistert an. Irgendetwas war in ihm gebrochen, das sagte mir sein Blick. Er hatte sich schon oft gefragt, wieso er überhaupt mit mir durch die Lande zieht, hatte er gesagt. Wieso er es sich gefallen lässt, dass ich in Rätseln spreche und Leute in Schutz nehme, die seine Freunde gefährden. Dass ich manchmal die Fassung verlieren und selbst zur Bedrohung werden kann, hat er bis jetzt immer einfach hingenommen, schließlich hatten wir bis jetzt immer dieselben Feinde. Aber was, er sah mich fragend an, was sollte er tun, wenn ich plötzlich auf seine Schwester oder seine Familie losgehen würde, nur um diesen blöden Splitter zu beschützen?
Er sprach aus, wovor ich mich schon fürchtete, seit wir unsere ersten Abenteuer gemeinsam erlebt hatten. Wenn mich mein Meister nicht zu sich gerufen hatte, hatten mich solche Szenarien in den letzten Nächten im Traum heimgesucht. Manchmal denke ich auch bei Tag darüber nach und bin unachtsam, doch zu einer Antwort bin ich immer noch nicht gekommen. Also sagte ich Arion, was ich mir selbst immer als Mantra vorhalte, um dem Gedankenstrudel zu entkommen: Sollte es zu einer solchen Situation kommen, in der das Wohlergehen unserer Freunde gegen meinen Meister und meine Mission steht … kann ich mich nicht einfach für eine Seite entscheiden. Ich werde alles tun, um einen Kompromiss zwischen beiden Seiten zu finden, koste es, was es wolle. Und wenn am Ende ich unter allen derjenige bin, der das Leid zu tragen hat … dann bin ich bereit, dieses Opfer zu bringen und diese Last zu tragen.
Auch wenn ich die Augen nicht davor verschließen kann, dass ich die Last wahrscheinlich nicht allein tragen kann. Egal, wie ich mich entscheide, alle in meiner Nähe können da mitreingezogen werden. Entscheide ich mich für meinen Meister, könnten meine Freunde unter seinem Willen leiden, entscheide ich mich gegen ihn, werde ich leiden, aber ich kann nicht garantieren, dass er seinen allmächtigen Zorn nicht auch gegen Arion oder meine Familie richtet. Er hat mich und damit alle, die mir nahestehen, voll und ganz in der Hand.
Ich habe versucht, Arion und auch Marie all das zu erklären, auch wieso der Splitter so wichtig ist, ohne zu viel über meinen Meister zu verraten. Ich habe schon gemerkt, dass er damit nicht glücklich war, aber das war ein Beispiel für ein notwendiges Übel. Ich bin unendlich dankbar, dass Arion meine Erklärungen angenommen und sich danach leichteren Herzens wieder auf den Weg gemacht hat, aber Marie wirkte danach nachdenklich und still. Sie entschied sich dazu, doch nicht weiter mit uns zu reisen, sondern half und nur, eine Kutsche in der Taverne anzuheuern. Arion schien etwas traurig darüber zu sein, aber mir machte das ehrlich gesagt weniger etwas aus. Ich kann noch immer nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob sie den Splitter wirklich entwendet hat – mein Meister hatte nur gemeint, ich dürfe mich nicht so schnell hinters Licht führen lassen – aber wenn sie wirklich gelogen hat, bin ich froh, dass ich mir darüber zumindest nicht länger Gedanken machen muss. Aber sollte sie wirklich die Wahrheit gesagt haben … wäre es möglich gewesen, dass mein Meister den Stein selbst verschwinden ließ, um mich zu prüfen? Nach all den Weisungen, denen ich kürzlich nicht folgen konnte?
… über so etwas sollte ich nicht weiter nachdenken.
Als ich heute Morgen aufgewacht bin, hatte sich Fia noch um mich geschlungen. Wir wurden fast zeitgleich wach und waren beide gleichermaßen irritiert über die ganze Situation, was mich tatsächlich ein Stückweit entlastete. Wenn Fia der Situation gestern nicht so viele Hintergedanken schenken würde, würde das einiges einfacher machen… Aber nur wenig später zeigte sie mir, dass sie sehr wohl Hoffnungen hatte.
Nach dem gemeinsamen Frühstück gingen wir nach unten, um Arions Kettenhemd zu reparieren. Sie zeigte mir, wie ich den Ofen anfeuerte und anschließend, wie ich die einzelnen Ringe aneinanderreihen und anordnen musste. Ich glaube kaum, dass wer anders als ein Schmied verstehen könnte, wie gut sich diese heiße, flirrende Feuerluft auf der Haut anfühlt oder wie lebendig man sich fühlt, wenn sich das heiße Metall der eigenen Körperkraft zu beugen hat. Auch wenn wir heute eher filigran unterwegs waren und jedes bisschen überschüssige Kraft die kleinen Ringe verbogen oder gar zum Brechen gebracht hätte… Aber dank Fia kam es nicht dazu, ganz im Gegenteil: Das Kettenhemd ist durch unser beider Hände zu einem regelrechten Meisterwerk geworden! Auch Fia schien glücklich zu sein, so glücklich, dass sie mir einen Kuss gegeben hat, bevor ich das Hemd hoch zu Arion bringen konnte.
Mit hochrotem Kopf eilte ich rauf in den Garten, wo Arion dem kleinen Ruben in der Zwischenzeit ein paar Schwerttechniken beigebracht hatte. Während er es mit leuchtenden Augen anprobierte und Ruben runter zu Fia lief, bedankte ich mich bei ihm dafür, dass er sich gestern so gut um Ruben gekümmert hatte. Aber als er mir erzählte, wie sehr der Kleine sich nach einem Vater sehne, musste ich ihm einfach erzählen, wie das alles zwischen Fia und mir geschehen war und wie unsicher ich mir bin, was das angeht. Er soll ja nicht denken, dass ich ein Aufreißer bin! Doch noch bevor wir weiterreden konnten, hörten wir schon die panischen Rufe eines Jägers, der zur Schmiede rannte.
Die Jägergruppe wurde von seltsamen Kriegern angegriffen und bittet nun um die Hilfe von Fia. Sofort machen Arion und ich auf den Weg, um ihnen zu helfen, doch noch während wir zum Kampfplatz rannten, erhielt ich von meinem Meister die Weisung, den Kriegern keinen Schaden zuzufügen. Aber der Jäger und auch Arion waren nicht mehr aufzuhalten, egal was ich versucht habe, ich konnte sie nicht überzeugen. Wie denn auch, wenn vor ihren Augen gerade ihre Freunde, die Jäger, von mysteriösen Kriegern abgeschlachtet werden… Auch mir fiel es schwer, mich dieser Weisung zu stellen, ohne mich gegen meine Gefährten aufzulehnen, aber dass sie die Krieger vor meinen Augen niederstachen, bevor ich mit ihnen reden und Informationen über sie erhalten konnte, hat nicht wirklich geholfen. So kam es schließlich, dass die Kriegerbande von Arion und den Jägern ausgelöscht worden ist. Nicht einmal ihr Anführer hat es überlebt. Arion hat ihn auf meine Bitte zwar nicht sofort getötet, sodass ich noch mit ihm reden konnte, aber das hat sich nicht wirklich als hilfreich erwiesen. Er meinte, sie kämen aus einem Land im Osten und würden den Worten ihres Priesters folgen. Und so messen sie sich mit alles und jedem, der sich ihnen in den Weg stellt – wie die Jäger am eigenen Leib erfahren mussten. Jegliche andere Versuche, in seinen Geist einzudringen, hat der Anführer gekonnt abgewehrt und auch mein Meister hat mich nicht dabei unterstützt. Verständlich, nachdem ich mich nicht an seine Weisung halten konnte… Bevor er mir mit seiner Keule den finalen Schlag geben konnte, brachte der Jägeranführer Pierre ihn mit einem gezielten Schuss zum Erliegen.
Bevor ich mir Sorgen über die Strafe meines Meisters machen konnte, kamen schon wieder andere Sorgen auf mich zu: Einer der Jäger aus Pierres Gefolge berichtete, dass der Vulkan bei Bainoque vor zwei Tagen ausgebrochen sei und er sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Wie es nun in Bainoque aussehe, konnte er zwar nicht sagen, aber das musste er auch nicht. Ich weiß, in welcher Gefahr die Stadt schwebt und ich hoffe, dass Dessuc und die anderen die letzten Monate gut genutzt haben, um sich auf den Extremfall vorzubereiten und Evakuierungen schnellstmöglich einzuleiten. Aber ich muss dir denke ich nicht erzählen, wie es mir in dem Moment ging.
Noch während ich Arion verkündete, sofort gen Norden aufbrechen zu müssen, meldete sich auch mein Meister bei mir und trug mir auf, mich auf die Suche nach dem Feuerkristall zu machen. Hätte er mich auf die Suche nach dem Wasserkristall geschickt, hätte ich mir einen unheimlichen Strahl mitten durch den Bauch gejagt. Haha, bitte entschuldige den Galgenhumor. Ich habe mir den ganzen Abend lang Mühe gegeben, durchzuhalten und nicht in Sorge zu versinken, aber jetzt, wo Arion friedlich nebenan schläft so wie meine Schwester immer, als ich noch zuhause war… Ob sie in den letzten zwei Tagen überhaupt ein Auge zugekriegt hat? Ich hoffe, sie und Umiddasli kümmern sich umeinander und beruhigen auch die Kleinen. *eine Träne landet auf dem Papier und verschmiert die Tinte*
Aber unter all dem darf ich auch Arion nicht vergessen. Es ist das erste Mal, dass er seine Heimat für so lange Zeit verlässt und hatte heute Abend in der Taverne schon leichtes Heimweh. Auch in einer Taverne ist er zum ersten Mal eingekehrt und schien recht unsicher zu sein, wie er sich verhalten sollte. Eigentlich würde ich gerne mal mit ihm zusammen einen heben gehen, aber nach dem Fiasko gestern Abend, habe ich mich das nicht so ganz getraut. Außerdem schien Arion auch wenig Interesse daran zu haben. Aber wer weiß, vielleicht kommt das noch.
Der Junge scheint auf jeden Fall doch mehr erlebt zu haben, als man im ersten Moment meinen würde. Nicht nur heute Mittag hinter der Schmiede, sondern auch vorhin, als wir uns von Fia verabschiedet haben, hat er Ratschläge gegeben, die ich nicht von ihm erwartet hätte. Als ich mich von Fia verabschiedet habe, war mir klar, dass ich die Situation nochmal entschärfen musste. Ich erzählte ihr, dass ich den Abend und das gemeinsame Schmieden sehr genossen habe, aber ihr noch nicht versprechen könne, wie die Zukunft aussehen wird. Ich konnte ihr nicht zu viel erzählen, also habe ich nur angedeutet, dass ich jemandem etwas versprochen habe, das ich erst noch einlösen muss, aber das hat sie in einen ganz anderen Hals bekommen. Weinend ist sie nach oben gestürmt und hat Arion und mich allein zurückgelassen. Auf dem Weg nach draußen hat Arion versucht, mich aufzumuntern und hat mich gefragt, was Fia mir bedeuten würde. Seine nüchterne Perspektive hat mir tatsächlich geholfen, etwas Klarheit in die Sache zu bringen und unsere bevorstehende Reise gibt mir sicherlich den Abstand, den ich zum Reflektieren brauche. Reflektieren darüber, was ich eigentlich möchte und wie mein Leben aussehen wird, wenn ich nicht mehr fremdbestimmt handeln muss.
Aber das ist alles Zukunftsmusik. Morgen geht’s weiter Richtung Lyin und danach ab nach Basin. Hoffen wir, dass Pierre in seiner Zeitschätzung richtig lag und wir noch rechtzeitig eintreffen.
Als wir heute in der Abenteurergilde ankamen, hat Arion keine Zeit verschwendet und uns einen neuen Auftrag gesucht. Glücklicherweise konnten wir den mit unserem geplanten Ausflugsziel, der Schmiede, verbinden, denn wir sollten bis zum Abend 100 Erzbrocken dorthin bringen. Der Weg gestaltete sich allerdings als ziemlich beschwerlich – abgesehen von den 20 kg Erz, die ich zusätzlich zu meiner Ausrüstung rumschleppen musste. Nicht nur war der Weg zur Schmiede nicht ausgeschildert, sondern wir trafen auch auf eine ziemlich fiese Truppe Wegelagerer.
Während ich mich erst zwischen den Büschen versteckt halten und abwarten wollte, ging Arion schon auf sie zu. Anfangs schien alles gut zu laufen, auch wenn sie ihm Unsummen an Geld als Zoll abknüpften. Doch als ich mich ihm anschloss und ihnen auch nochmal zehn Gold zahlte, kippte die Stimmung. Einer der Halunken hatte es doch gewagt, den Kristallsplitter zusammen mit Frederiks Buch aus meiner Tasche zu stehlen! Was wir auch versuchten, mit Worten kamen wir nicht gegen sie an – sie leugneten all unsere Vorwürfe. Und so kam es schließlich zum Kampf. Ich denke, ich muss dir nicht erzählen, wie es ausging… Wir zwei Anfänger gegen 5 oder sogar 6 erfahrene Wegelagerer? Arion ging ziemlich schnell zu Boden und wenn ich nicht meinen Meister um Hilfe gebeten hätte, wäre ich neben ihm gefallen. Das sechste Mal in Folge. Den armen Arion nehmen diese ganzen Niederlagen ganz schön mit. Wobei man nicht unbedingt von Niederlage sprechen sollte, schließlich haben wir es letztlich mit der Kraft des Thycoriten geschafft, uns zurück auf die Beine zu kämpfen und sie irgendwie – frag mich nicht wie – aber irgendwie in die Flucht zu zwingen.
Als wir letztlich in der Schmiede ankamen, hingen Arions Schultern fast am Boden, aber ich muss sagen, dass ich beim Anblick der Rauchschwaden so sehr aufblühte wie lange nicht mehr! Wie lange ist es her, seit ich das letzte Mal eine Schmiede betreten habe? Viel zu lange, soviel ist klar! Ein kleiner Junge nahm uns in Empfang und stellte uns seiner Mutter Fia vor, der Besitzerin der Schmiede. Nachdem Arion eines ihrer Meisterwerke erblickte, ein riesengroßes Schwert aus dem Leichtmetall einer nördlichen Insel, hoben sich auch seine Mundwinkel wieder. Auch das gute Essen, dass Fia uns danach auftischte, trug dazu bei. Sie lebt dort in der Schmiede ganz allein mit ihrem kleinen Jungen und bekommt nicht so oft Besuch, wie sie mir erzählt hat. Allgemein hatte ich das Gefühl, dass sie sich sehr über unser Kommen gefreut hat, um einfach mal wieder reden zu können. Obwohl wir uns nicht kannten, hat sie gleich nach dem Essen den Alkohol rausgeholt und Asche auf mein Haupt, ich habe ihn nicht vertragen… Ein einziger Schluck, mehr war nicht nötig, um mich komplett wegzufegen. Gut, dass Arion sich dem kleinen Ruben angenommen hat, denn was danach passierte, war nicht unbedingt jugendfrei…
Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist, aber irgendwie sind wir uns auf dem Sofa auf einmal sehr nahegekommen. Ich wollte ihr eigentlich nur einen zwergischen Handschlag zeigen, aber im nächsten Moment lag sie in meinen Armen und meine Lippen lagen auf ihren… Doch damit wars noch nicht getan! Sie hat über ihr einsames Leben in der Schmiede gesprochen, über ihren Mann, der sie und die Jäger verlassen hat, um Fischermeister zu werden, und darüber, wie froh sie war, auf einen weiteren Schmied getroffen zu sein. Sie hat geschwärmt, wie schön es wäre, wenn wir zusammen hier ein Leben aufbauen würden und ich, was habe ich gemacht?? Hab mich hinreißen lassen von diesem Gedanken und muss der Dame Hoffnungen und Versprechungen gemacht haben, die mir jetzt, wo ich wieder nüchtern bin, im Nacken sitzen. Wäre es das schon gewesen, hätte man ja noch drüber reden können, aber danach habe ich sie auch noch ins Bett getragen… Es ist ein Wunder, dass ich mich auf einmal wieder so gut daran erinnern kann, heute Morgen nach dem Aufstehen war das noch anders. Aber ich kann einfach nicht darüber hinwegkommen, was ich da gestern angerichtet habe. Immerhin hat mein Meister nicht zugesehen, aber das ist ein schwacher Trost.
Während die anderen das Fest vorbereiteten, machten Arion und ich uns auf den Weg zur Gilde, um den Auftrag als abgeschlossen zu melden. Außerdem waren wir so zerfleischt und voll beladen, dass wir einen Großvorrat Bandagen einkaufen und die ganzen Monstergegenstände verkaufen oder verwerten mussten. Aber obwohl ich mein Bestes gegeben habe, hatte ich Schwierigkeiten damit, Arions erworbene Metallplatten zu Rüstungsteilen zu verarbeiten. Immerhin das Fell der Kreatur konnten wir so zurechtschneiden und -bürsten, dass wir es Frille zur Verarbeitung geben konnten. So müssen wir das Drecksding immerhin nicht länger mit uns rumschleppen und können es bei Willi verkaufen. Den durfte ich heute nämlich auch kennenlernen! Hat mich schon gewundert, dass Arion immer mit einem langen Gesicht zu mir kam, nachdem er Bandagen einkaufen war… wie es sich herausstellt, ist Willi ein absolut gerissener Händler, der sich kaum von seinen Preisvorstellungen abbringen lässt.. Eines Tages werden wir ihn noch knacken, die harte Nuss… Jetzt, wo ich so viel Geld bei Frederik gelassen habe, muss ich sorgfältig haushalten.
Als wir zurückkamen, wurde es schon langsam dunkel und die Bewohner hatten sich alle zuhause bei Arion eingefunden. Kurt kann wirklich verdammt gut kochen und Feste veranstalten umso mehr. Ich bin froh, dass wir nicht allzu sehr ausgefragt wurden, was alles passiert ist – ich hatte Arion zwar versprochen und geschworen, ihm alles zu erklären, aber das könnte ich niemals vor versammelter Dorfgemeinschaft tun! Nach der Feier haben wir uns erstmal wieder schlafen gelegt und ich habe angefangen, aus Frederiks Buch neue Erkenntnisse über meine Seele und meine magische Präsenz zu gewinnen. Aber wenn ich gewusst hätte, was in der Nacht passiert, wäre ich am liebsten gar nicht eingeschlafen…
Ich hatte einen merkwürdigen Traum von einem Ort, an dem alles sehr groß, weitläufig und bedrückend war. Ich konnte mich bewegen und hatte das Gefühl, als wäre ich wach, als wäre ich mit meinem Körper wirklich an diesem Ort. Der Wind hat mir den modrig-fauligen Geruch in die Nase geweht und mich frösteln lassen, obwohl in der Luft vor Hitze zu flimmern schien. Als ich vorangegangen bin, traf ich auf ein Becken gefüllt mit Blut und haarlosen Kreaturen, wie Menschen, denen man die Haut abgezogen hatte. Sie versuchten, über den Rand des Beckens auf festen Boden zu klettern, rutschten mit ihren fleischig glänzenden und verstümmelten Armen aber immer wieder ab. Die Leere stand in ihren Augen und ich glaube, dass sie gar keine Seele mehr in sich trugen. Doch so sehr mich dieser Anblick auch zum Schaudern brachte und mich abstieß, drängte mich eine unsichtbare Kraft dazu, vorwärts zu gehen, näher zum Plateau, das sich hinter dem Becken erhob. Oben auf dem Plateau erkannte ich schließlich, wer mich hergerufen hatte: Es war mein Meister.
Er sprach mit mit und seine Stimme hallte durch die riesige Halle, die größer war als das Innere eines Berges. Es war überall zugleich und doch stand er in schemenhafter Gestalt da oben. Er sprach über den Splitter, den ich an mich gebracht hatte, und sagte sogar, er werde das nicht unbelohnt lassen. Doch als ich ihn fragte, ob er sich an unsere Abmachung halten würde, wenn ich alle Splitter für ihn gesammelt hätte, wurde ich zurückgestoßen und auf die Erde gedrückt. Mit einem Mal konnte ich kaum mehr atmen, er schien alles Gewicht auf mich und meine Lunge zu drücken. So verärgert, wie er sich zeigte, weiß ich nicht, ob das damals überhaupt eine beidseitige Abmachung war… Wie kam ich nur auf die Idee, *IHN* mit solchen Forderungen zu belästigen? Ich bin für ihn doch nicht mehr als Dreck unter der Schuhsohle… Dennoch fragte ich ihn, wie ich weiterhin vorgehen sollte und was mit Arion war, ob ich weiterhin bei ihm bleiben sollte. Und er sprach aus, womit ich eigentlich schon längst gerechnet hatte: Ich solle so lange bei Arion bleiben, wie es dem Ziel der Splittersuche dienlich sei – sollte Arion sich querstellen oder dem Ziel in die Quere kommen… Ich hatte keine Kraft mehr, zu protestieren, ich hätte ihn nur weiter erzürnt. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich zurückzuziehen aus den Hallen meines Herrn.
Doch anders als erwartet wachte ich nicht mit einem mulmigen Gefühl im Magen auf, sondern viel eher mit einem Gefühl neu erwachter Kraft! Plötzlich spürte ich eine Art elektrischen Impulses in meiner Hand, wie neue Magie, die sich auf einmal in meinem Körper angesammelt hatte! Als ich nach unten ging, um Arion davon zu erzählen, fand ich ihn draußen am Trainieren vor. So früh steht er normalerweise nie auf und überhaupt wirkte er etwas neben sich heute.
(Arions Traum: große Person und andere Person, die mit dem riesigen Wesen kämpft und Arion schaut zu aus einem Gebüsch, aber er ist zu laut und die anderen werden auf ihn aufmerksam und dann wird er zurückgeworfen und hat das Bedürfnis, NOCH stärker zu werden, um sich dieser Kreatur stellen zu können)
Ich habe ihm angeboten, mit ihm gemeinsam zu trainieren, vor allem mit Blick auf die Goblinherde, die noch immer nahe des Dorfes ihr Unwesen trieb. Arions Meister hatte ihm ja den Tipp gegeben, sich manchmal der Kampfmethoden der Gegner zu bedienen – etwa der List – um erfolgreich zu sein, also versuchte ich mich Arion zuliebe mal im „listigen“ Angreifen. Wer hätte gedacht, dass sich das Training vor Ende des Tages nochmal auszahlen würde… Denn als wir zurück zum Frühstück gehen wollten, erzählte uns Kurt, dass Ostara noch nicht aus dem Wald zurückgekehrt wäre, wo sie Blumen und Pilze sammeln wollte. Arion war außer sich, als er das hörte, und stürmte so schnell voran, dass ich ihn komplett aus den Augen verloren habe. Erst, als wir direkt vor dem Goblinlager standen, fand ich ihn wieder, auf dem Boden kauernd und den Anführer oben auf einem Felsplateau beobachtend. Die Herde hatte Ostara wirklich gefangen genommen und der Anführer drohte ihr damit, sie zu fressen und zu schänden! Doch schon von außen wirkte es so, als wären Unmengen an Goblins im Lager vertreten, viel zu viele, als dass wir allein gegen sie antreten hätten können. Das Plateau selbst war auch zu hoch, um schnell hochklettern zu können. Also nutzte ich zum ersten Mal meine neuen magischen Kräfte und schickte einen Strahl des Grauens mitten durch das Lager. Ich erwischte einige Pulverfässer, die explodierten und einige Goblins in den Tod rissen, doch was war bei weitem nicht genug. Der Anführer, der sich als Griliolx vorstellte, ordnete unseren Tod an und schickte seine Herde, um uns aufzuhalten. Arion kämpfte sich vorwärts, während ich Griliolx aus der Entfernung Strahlen um die Ohren schlug und gleichzeitig einen Hammer in meiner Hand materialisierte, mit dem ich Arion im Nahkampf Rückendeckung gab. Aber wir kamen langsamer voran, als nötig. Griliolx hatte schon begonnen, seine Klauen in das weiche Fleisch von Ostara zu graben, als Arion sich endlich den Abhang hochschleppte. Sein Blut zeichnete den Pfad, den er durch das Lager genommen hatte. Als er sich letztlich Griliolx stellte, versagte seine Kraft und er sank nach einem besonders heftigen Treffer neben der bereits bewusstlosen Ostara zu Boden.
Ich kann dir gar nicht mehr sagen, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe. Ich habe verflucht, dass ich mir keinen besseren Plan hatte ausdenken können, dass wir so viel Pech gehabt haben und so lange für all die niederen Gegner gebraucht hatten. Aber ich wusste: Wenn Ostara hier stirbt, würde für Arion eine Welt zusammenbrechen. Eher würde er sich opfern, als dass seine Schwester sterben würde. Also holte ich den Hammer raus und warf mich Griliolx entgegen. Mit einem heftigen Schlag von unten schlug ich ihm einem Rückenknochen aus dem Skelett, aber das war leider nicht genug, um ihn zu richten. Immerhin schleuderte ich ihn damit so weit weg, dass er für einen Moment außer Gefecht gesetzt war, und so rannte ich auf Ostara und Arion zu, um ihnen aufzuhelfen. Griliolx nutzte die Gelegenheit, um zu fliehen, aber das war ein notwendiges Opfer. Das Leben der beiden hat oberste Priorität.
Der Tag hatte kaum begonnen und trotzdem kamen wir schon wieder zerfleischt und entkräftet ins Dorf zurückgehumpelt. Kurt nahm uns Ostara ab und kümmerte sich um sie, auch Arion und ich sanken in unsere Betten – ich durfte diesmal tatsächlich im Bett des Bürgermeisters oben schlafen. Ich glaube, wir haben mehrere Tage lang geschlafen, aber ich kann nicht mehr genau sagen, wann ich wach und wann ich im Tiefschlaf war. Nur an eine Situation kann ich mich erinnern, und die werde ich so schnell nicht mehr vergessen: Eines Nachts wurde ich wach, weil ein kalter Hauch aus dem Fenster ins Zimmer wehte. Ich stand auf, um es zu zu machen, aber bevor ich das Fenster erreichte, sprach auch schon *ER* zu mir. Er blaffte mich an und warf mir vor, was mir in den Sinn käme, mich gegen seine anderen Jünger zu richten. In dem Moment wusste ich nicht, was er damit meinte, aber dann dämmerte es mir: Griliolx hatte während des Kampfes immer von *einem* Meister gesprochen, angedroht, dass er hier erscheinen und uns vernichten würde. Ich hatte damals kein Augenmerk darauf gelegt, ich wusste gar nicht, wie Goblinhierarchien überhaupt ausgeprägt waren. Aber dass auch er ein Bündler war, einen Bund mit MEINEM Meister eingegangen war, damit hätte ich nicht gerechnet… Es hat mich noch mehr heruntergezogen, dass ich auf Außenstehende genauso schändlich und verkommen wirken musste wie Grioliolx… Ich entschuldigte mich bei meinem Meister für die Situation, erklärte ihm mein Unwissen, aber ihn schien nur zu interessieren, dass so etwas nie wieder vorkäme.
*Rupert kam vorbei, weil er sich Sorgen gemacht hatte, dass wir noch nicht zurückgekehrt waren.
Nachdem sich Arion letzte Nacht doch noch unten zu mir gelegt hatte, habe ich davon abgesehen, mich noch in der Nacht an meinen Meister zu wenden. Ich wollte unbedingt mit ihm sprechen und ihm von meinen Zweifeln berichten. Ich bezweifle zwar, dass es ihn in irgendeiner Weise interessiert, aber ein bisschen Hoffnung habe ich trotzdem jedes Mal. Heute habe ich die stille Minute beim Baden genutzt, um mit ihm zu reden. Ich weiß, ich weiß, das ist vielleicht ein etwas unkonventioneller Ort, aber das war der einzige Moment, in dem ich nicht in Arions Nähe war. Er muss mich jetzt schon für verrückt halten, wenn ich manchmal vor mich hinrede… Auf jeden Fall hat mein Meister mir diesmal einen sehr wichtigen Hinweis gegeben: Irgendwo im Osten sollte ich suchen. Ich habe keine Sekunde verloren, um das Team zu mobilisieren, auch wenn es schwierig war, sie von einem sofortigen Aufbruch zu überzeugen. Ich konnte ihnen unmöglich den wahren Grund dafür nennen, ohne richtigen Auftrag mitten in den gefährlichen Wald zu ziehen, also habe ich ihnen erzählt, es habe mit dem Auftrag der Königin zu tun, ich hätte da so ein Gefühl. Glücklicherweise stimmte das sogar, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es im ersten Moment eine Lüge war.
Bevor wir aufgebrochen sind, haben wir noch ein paar Informationen im Dorf gesammelt. Unter anderem mit Frederik konnte ich noch einmal reden. Er hatte mich ja am ersten Tag schon als Magiekundigen entlarvt und seitdem lässt Arion mich damit nicht mehr in Ruhe, dass ich ja meine Magie auch im Kampf nutzen könnte. Ich habe doch keine Ahnung, wie das funktioniert! Also dachte ich, frage ich Frederik einmal, so unauffällig, wie man das eben als Hexer machen kann. Wie sich herausstellte, wusste er von Anfang an über die Herkunft meiner Magie Bescheid und ich bin ihm sehr dankbar, das nicht öffentlich bekundet zu haben. Ich denke zwar, dass er mir vertraut, aber ich habe in seinen Augen sehen können, dass er mir gegenüber trotzdem gemischte Gefühle verspürt. Hexer sind eben nicht wie andere Magier, die sich ihre Magie mit Fleiß oder noblem Erbgut verdient und erarbeitet haben. Hexer sind… eigentlich will ich das nicht weiter ausführen. Ganz egal, was über diese Menschen erzählt wird, ich will damit nichts zu tun haben. Frederik hat mir von einer Art Hexerverbündung erzählt, die sich wohl gebildet hat, und von einer Hexe, die am See im Westen Tycorias lebt. Vielleicht werde ich diese eines Tages einmal aufsuchen, aber fürs Erste muss ich lernen, meine Aura zu unterdrücken, damit man mich nicht als .. einen solchen Magier wahrnimmt.
Aber genug davon. Nachdem ich mich mit Arion vorbereitet hatte, sind wir auch schon nach Osten aufgebrochen und sind nach einigen Stunden bei einer Ruine gelandet. Angeblich wurde sie zu Ehren des Naturgeistes errichtet und dem dichter werdenden Nebel nach zu urteilen war sie auch der Ursprung des ganzen Nebels über dem Wald. Einige Goblins und Nebelgeister hatten sich in den Räumen des Tempels niedergelassen und wir haben uns durchgekämpft, auch die rätselhaften Mechanismen konnten wir irgendwie entschärfen. Arion ist nicht nur ein guter Kämpfer, sondern auch überaus klug, auch wenn er weniger durch Bücher als durch konkrete Handlung zu lernen scheint. Nachdem wir durch ein kleines Labyrinth an engen Gängen geschlagen haben und Arion fast von einer lebendigen Truhe gefressen worden ist, fanden wir endlich, wonach ich gesucht habe: Den Kristallsplitter! Er war umgeben von einem mysteriösem, grünen Strudel, von dem auch der Nebel auszugehen schien. Aber leider waren wir nicht allein. Eine Frau und ein Mann, merkwürdig gekleidet, waren bereits vorort und versuchten, sich durch den Vortex dem Splitter zu nähern. Godelot hieß der Mann, wie die Frau hieß, wahrscheinlich seine Schülerin, weiß ich leider nicht mehr. In dem Moment war ich einfach nur handlungsunfähig. Obwohl mein Meister mich dazu gedrängt hat, loszugehen, konnte ich mich nicht regen. Arion und ich waren schwer verwundet und diese beiden wirkten auf mich um einiges stärker als wir. Die Entscheidung wurde mir dann hingegen schnell abgenommen, denn sie entdeckten uns. Doch statt selbst mit uns zu kämpfen, wurde alles um uns herum schwarz und als wir aufwachten, fanden wir uns in einer der Hallen wieder, eine scheußliche Kreatur in Kampfeshaltung über uns gebeugt. Arion und ich holten alles aus uns heraus, was noch geblieben war, an Kampfesmut, an List und an Überlebenswillen. Obwohl ich einmal zu Boden ging, schaffte Arion es, dem Vieh den Todesstoß zu geben und danach war er nicht mehr zu halten. Er rannte zurück durch das Labyrinth und wollte sich den beiden Gestallten stellen. Dieser Junge! Die ganzen letzten Tage habe ich mich immer wieder gefragt, wieso er immer auf das offene Messer zurennt. Ich dachte, jetzt wäre der Moment, ihn endgültig davon abzubringen, ihn zurück in sein Leben zu bringen, das er vor der Begegnung mit mir hatte. Ich rang mit ihm, um ihn aufzuhalten, sagte ihm, dass ich das allein durchstehen müsse. Ich konnte ihn nicht sterben lassen mit dem Gedanken, dass ich ihn nur benutzt habe! Aber Arion… Nachdem ich ihn, sogar mit Hilfe meiner Magie, überwältigen und zurückstoßen konnte, sank er auf dem Boden zusammen, jeglicher Wille hatte ihn verlassen. Er konnte nicht verstehen, warum ich das getan hatte. ‚Wir sind Abenteurer‘, hatte er gesagt, ‚und das ist ein Auftrag. Außerdem sind wir Freunde und ich kann nicht einfach zu meinen Freunden zurückgehen mit dem Wissen, dass ich einen meiner Freunde hier zurückgelassen habe.‘ Seine Worte berührten mich tief, am liebste hätte ich mich auf dem Boden neben ihm zusammengekauert und geweint, doch dazu war keine Zeit. Auch erst jetzt, wo ich diese Zeilen aufschreibe, wird mir bewusst, dass es von Anfang an ein Fehler war, Arion verändern zu wollen. Ja, sein Temperament und das Feuer, das in ihm lodert, könnten ihm eines Tages große Probleme bereiten, aber sie sind auch genau das, was ihn als Menschen ausmacht. Wenn er das nicht hätte, wäre er nicht mehr Arion, der von allen geliebt und als Freund geschätzt wird. Das habe ich jetzt verstanden.
Mit letzter Kraft gingen wir nun also voran. Wir hatten keine Zeit mehr zu verlieren, sonst würde der Splitter in die Hände der Unbekannten fallen. Mit Arion an meiner Seite und der Leitung meines Meisters flammte auf einmal ein Selbstbewusstsein in mir auf, das ich lange nicht mehr derart gespürt hatte. Ich rannte ich auf das Podest zu, um den Splitter zu greifen, doch der unbekannte Mann kam mir zuvor. Er sprach etwas von unendlicher Macht, die ihm nun zuteil werden würde, aber das konnte ich nicht zulassen. Ich zapfte meine Magie an, bat meinen Meister um Unterstützung und befahl dem Mann, den Splitter augenblicklich loszulassen. Es war ein voller Erfolg. Die beiden wichen vor der Magie meines Meisters davon, der Mann ließ den Splitter fallen und ich konnte ihn an mich bringen. In diesem Moment verschwamm alles um mich herum. Mein Körper wurde kalt und ich hatte das Gefühl, als würde mein Meister von mir Besitz ergreifen. Ich weiß nicht, ob ich alles mitbekommen habe, was in diesem Moment geschehen ist, da muss ich Arion nochmal fragen. Aber kurze Zeit später fielen wir wieder in ein Loch, erwachten diesmal aber in Thycoria.
Ich muss langsam mal zum Schluss kommen, ich glaube, Arion wartet schon auf mich, damit wir zur Gilde aufbrechen können. Also fasse ich mich kurz: Nachdem wir zu uns gekommen sind, sprach eine andere Stimme zu uns, die sich als der Naturgeist des Waldes herausstellte. Er bedankte sich dafür, dass wir den Nebel gelichtet hatten, und schien uns unter den Segen Kradias stellen zu wollen. Ha, wenn er wüsste… Danach fanden uns die Dorfbewohner und fielen uns um den Hals. Sie konnten es kaum glauben, dass wir es tatsächlich geschafft hatten. Sie waren so erfreut, dass sie sogar ein Fest veranstalten wollten! Ich hätte mir in dem Moment wirklich keinen Ort vorstellen können, an dem ich lieber gewesen wäre. Keine, außer vielleicht …
Heute habe ich mich zusammen mit Arion auf unseren zweiten Auftrag vorbereitet. Wir wollten uns die Höhle im Süden des Dorfes etwas genauer anschauen, zu der der Gilde bis jetzt noch keine weiteren Informationen vorlagen. Doch bevor wir uns auf dem Gildengelände weiter vorbereiten konnten, sind wir bei Evelines Bäckerei einer jungen Frau begegnet, die viel zu viele Brote eingekauft hatte. Sie konnte sie kaum tragen und hatte geplant, sie mit auf ihre Abenteuer zu nehmen, denn wie es sich herausstellte, war sie ebenso wie wir eine frischgebackene Abenteurerin des ersten Rangs! Ich weiß zwar nicht, wie sie im Alleingang den ersten Rang aufsteigen konnte – darüber wollte sie auch nicht reden – aber letztlich hielten wir alle es für eine gute Idee, uns zusammenzutun für den nächsten Auftrag.
Bei der Höhle angekommen, wurden wir schon gleich von fiesen Waldspinnen begrüßt, die uns mit ihren Tänzen in die Flucht schlagen wollten. Zum Glück hat Arion schnell herausgefunden, dass sie keine Freunde von Feuer sind. Wir haben alle möglichen Gänge der Höhle erkundet, bis wir ein großes Loch mit einer Truhe und zwei menschengroßen Kokons gefunden haben. Ehe ich mich versah, war Arion auch schon losgestürmt, um die Truhe zu bergen, vorbei an all den Spinneneiern, die im Licht unserer Fackeln ganz grünlich schimmerten. Das hätte uns schon Warnung genug sein sollen. Zum Glück ist Iza zurückgeblieben, denn schon kurze Zeit später wurden wir von einer riesigen Spinne angegriffen. Sie hat uns in ihre Netze eingewickelt und ist auch vor Arions Brandflasche, die er aus den Fetzen seines Umhangs gefertigt hatte, nicht zurückgewichen. Hätte Iza mich nicht mit einem grazilen Schuss aus dem Netz befreit, hätte ich Arion nicht rechtzeitig vor den Fängen des gefräßigen Biests befreien können… Ohne sie hätten wir dieses Abenteuer nie im Leben überstanden, ich bin ihr unendlich dankbar. Überhaupt scheinen sie und Arion sich sehr gut zu verstehen. In der Gilde habe ich irgendetwas von einem Versprechen mitbekommen, dass sie sich wohl gegeben haben. Ich denke, es ist gut, dass der Junge etwas hat, an dem er festhalten kann. Die beiden Kokons unten in der Grube haben sich in der Tat als die Leichen zweier Goldabenteurer herausgestellt und ich glaube, der Fund hat Arion sehr mitgenommen. Draußen hat er ein Grab für die beiden errichtet, in dem er irgendetwas vergraben hat, was er dort gefunden hat. Obwohl es mich wirklich interessiert hätte, hat es sicherlich einen Grund gegeben, wieso er es nicht mit uns geteilt hat. Und wer bin ich schon, das zu kritisieren, bei all dem, was ich vor ihm geheim halte…?
Die Nacht haben wir bei Arions Familie verbracht. Wir haben jeden einzelnen Schlafplatz belegt, den das Haus zu bieten hatte, und ich war froh, dass ich doch noch aufs Sofa gepasst habe und nicht auf dem Teppich oder unter dem Tisch schlafen musste. Obwohl die Mission erfolgreich war, hatte ich das Gefühl, meinen Kameraden ein Klotz am Bein gewesen zu sein. Im Vergleich zu Arions Schwertkunst und Izas präzisen Schüsse habe ich kaum etwas zum Kampf beitragen können. Ich wäre ja fast ein drittes Mal gestorben. Ich weiß nicht, wie ich es jemals schaffen soll, meine Mission zu erfüllen und das macht mir große Angst. Werde ich jemals meine Schwester wiedersehen? Obwohl ich die Dorfgemeinschaft und Arions Familie sehr gerne habe, versetzt es mir doch jedes Mal einen Stich ins Herz, sie so unbeschwert zu sehen. Ich habe Heimweh. Ich vermisse meine Schwester, meine Freunde, meine Familie und es tut weh, mit niemandem darüber reden zu können. Trotz alledem will ich weiterhin für Arion da sein. Ich glaube, trotz seiner unbeschwerten Art trägt er einiges auf dem Herzen, für das er auch noch nicht die richtigen Worte und den richtigen Gesprächspartner gefunden hat. Ich wünsche dem Jungen nur das Beste.
Arion und Agraston besuchen den Gemischtwarenhändler Wilfried und stocken ihre Vorräte an Salz auf, bevor sie sich auf den Weg zu Eveline machen, um den Auftrag zu besprechen. Sie sollen in der Nacht die Kuhweide beobachten, da in den letzten Nächten immer einzelne Kühe gerissen worden waren, ohne dass die Ursache dafür gefunden werden konnte. Nachdem die beiden sich die Weide, das Gelände und den Zaun untersucht, aber nichts gefunden haben, versteckt sich Arion für die Nacht zwischen Mehlsäcken auf einem Karren. Agraston will sich in den Bäumen verstecken, doch er ist zu schwer und ungelenk, um hinaufzuklettern – so bleibt dem großen Mann nur noch der Schuppen als Versteck. Kaum ist die Nacht eingetreten, hat er allerdings das Gefühl, im Schuppen nicht allein zu sein. Sein Gespür reicht leider nicht aus, um sich dessen zu vergewissern, und so wird er im nächsten Moment Opfer eines Überraschungsangriffs eines Ghouls, der sich im Heu versteckt hatte. Agraston schafft es nicht, sich gegen ihn zu wehren, muss einen fatalen Treffer einstecken und wird im nächsten Moment bewusstlos gegen das Werkzeugregal geschmettert. Auch Arion ergeht es nicht besser, nachdem er Agrastons Schreie erhört und zum Schuppen geeilt war. Das Monster stürzt sich auf ihn, beißt ihn nieder und ist drauf und dran, seine Krallen in das warme Fleisch des Jungen fahren zu lassen, als vom Hoftor ein Mann herbeigeeilt kommt. Er vernichtet die Kreatur, flößt Arion und Agraston einen Heiltrank ein und holt sie damit zurück ins Leben. Er stellt sich als Abenteurer auf Stufe 16 vor und bietet ihnen an, den Lohn für den Auftrag selbst anzunehmen, bevor er sich wieder aus dem Staub macht. Arion ist nicht nur enttäuscht, weil sie so in den Boden gestampft wurden, sondern auch wütend über die herablassende Art des Abenteurers. Auch Agraston lässt auf dem Weg zurück zur Abenteurergilde traurig die Schultern hängen. Wäre dieser Abenteurer nicht aufgetaucht, wäre das ihrer beider Ende gewesen, ohne dass er etwas hätte tun können, weder für sich noch für den Jungen… Erst Ruperts aufmunternde Worte lassen wieder etwas Hoffnung in den beiden aufblühen und sie nutzen den Rest der Nacht, um einen entspannten Wachtdienst auf dem Gildengelände zu verrichten.
Am nächsten Morgen gehen sie zurück zu Eveline und lassen sich ein köstliches Frühstück als Dank für die Hilfe schmecken, als schließlich Arions Lehrmeister Jonathan vorbeikommt. Arion gesteht ihm alles, was schiefgegangen ist, besteht aber auf seine Ziele und Pläne und auch Agraston versichert Jonathan bei seinem Namen, dass er immer ein Auge auf den Jungen haben wird. Schließlich verabschieden sie sich, um auch Arions Familie Bescheid zu sagen und sie von seinen Plänen in der Gilde in Kenntnis zu setzen. In nächster Zeit werde er zwar noch im Großraum um das Dorf herum Aufträge annehmen, aber eines Tages käme der Tag, an dem er hinaus in die Welt ziehen müsse. Doch zuerst muss er Frille bitten, sich neue Kleider schneidern zu lassen, da seine im Kampf gänzlich zerfetzt worden waren. Auch Agraston ist froh, als er im Haus der Schneiderin endlich seine neuen Handschuhe überstreifen kann. Damit ist er bereit, auch das widrigste Übel auf sich zu nehmen, was sich noch zwischen ihn und sein Ziel stellen würde. Ihr nächster Auftrag würde eine Höhlenerkundung sein, aber Agraston hat noch immer den Auftrag der Prinzessin im Kopf, der ebenfalls am Schwarzen Brett der Gilde hing. Die Ursache des mysteriösen Nebels, der schon seit einigen Jahren über dem gesamten Wald liegt…
Arion wacht in seinem Zimmer auf und frühstückt zusammen mit seinem Vater und der Schwester. Danach erledigt er einige Dienste im Dorf, bringt dabei u.a. die Blumen der Floristin zur Metzgerin und dem Lokalgelehrten, bevor er mit seinem Lehrmeister Jonahntan über seine Zukunft spricht. Jonathan berichtet, für den Tag aufzubrechen und übergibt Arion ein Schwert aus den Vorräten des Dorfwachpostens. Von Stolz erfüllt begibt sich dieser schließlich zur Schneiderin. Schon von draußen hört er die laute Stimme eines großen, fremden Mannes, der die Schneiderin dazu drängt, sich selbst die Maße seiner Handschuhe nehmen zu dürfe. Arion kommt Frille zur Hilfe und lockert die Situation etwas auf. Auch der Mann, der sich als der Reisende Agraston vorstellt, entspannt sich merklich, nachdem er sich selbst ungestört die Hände abmessen darf und sich für sein ruppiges Verhalten entschuldigt hat. Voller Neugierde bekniet Arion Agraston, ihm von seinen Reisen und Abenteuern zu erzählen und wenig später begleitet er den Fremden bei seinen Reisevorbereitungen. Nachdem Arion von seinem Traum erzählt hat, selbst Abenteurer zu werden, entscheidet sich Agraston, den Jungen wenigstens zur Abenteurergilde zu begleiten. Auf dem Weg läuft Arion jedoch blindlings in eine Bande wegelagernder Goblins, die sie nur mit einigen davongetragenen Verletzungen loswerden können. Trotz diesem kleinen Dämpfer ist Arion wild entschlossen, Abenteurer zu werden und nachdem Rupert ihm das Gildengelände gezeigt hat, unterschreibt er geradewegs den Vertrag. Auch der zuerst noch zögerliche Agraston setzt schließlich den Stift an. Niemals könnte er diesen hitzköpfigen, abenteuerlustigen Jungen allein in diese dunkle Welt ziehen lassen, wo er doch eine liebende Familie und ein ganzes Dorf hat, das um ihn trauern würde, sollte ihm etwas passieren. Und wer weiß, vielleicht kann der Junge ihn auch früher oder später seinem Ziel näherbringen… Eifrig und entschlossen schlägt Arion vor, als ersten Auftrag der Bäckerin Eveline zu Hilfe zu eilen, die seiner Meinung nach den besten Kuchen in ganz Kradian backen kann.